„Handystrahlung so gefährlich wie Kaffee“

 

(Juli 2011) In den letzten Wochen wurde die Einstufung von Handystrahlung in die WHO-Kategorie „möglicherweise krebserregend“ (2B) veröffentlicht.

In der Presse wurde dazu berichtet, dass Handystrahlung nun bezüglich des Krebsrisikos gleichgesetzt werde mit der „Gefahr durch Kaffee“, der ebenfalls in die Kategorie 2B eingestuft wurde – übrigens genauso wie zum Beispiel sauer eingelegtes Gemüse/Essiggurken (1)

Die Einstufung von Kaffee als „möglicherweise krebserregend“ beruht auf einer Einschätzung der WHO bzw. der IARC = International Agency for Research on Cancer in Lyon, die 1965 als Krebsforschungsinstitut der WHO gegründet wurde.
Dabei wurden sowohl Kaffee als Getränk als auch isolierte Kaffeesäure bereits im Jahr 1991 in diese Kategorie eingestuft.

Bei dieser Einstufung bezog sich die IARC auf einige ältere Fall-Kontrollstudien (2), die zum Teil einen schwachen Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum und Blasenkrebs festgestellt hatten.
Deren Aussagen mussten allerdings teilweise wieder abgeschwächt werden, wenn weitere Risikofaktoren wie zum Beispiel Rauchen mit einbezogen wurden.

Gerade die neueren, vom Konzept verlässlicheren Studien lassen keine Hinweise auf einen klinisch relevanten Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum und Blasenkrebs erkennen (3,4).

Für die Einstufung von Kaffeesäure als „möglicherweise krebserregend“ bezog sich die IARC lediglich auf tierexperimentelle Daten, die zudem mit physiologisch nicht erreichten extrem hohen Dosen gewonnen wurden.

Kaffeesäure gehört chemisch gesehen zu den Polyphenolen, die für ihre antioxidativen Wirkungen bekannt sind und somit in physiologischen Dosen der Krebsentstehung entgegen wirken können.

So kam auch der World Cancer Research Fund (WCRF) in Kooperation mit dem American Institute for Cancer Research zu dem Schluss, dass es keine Beziehung zwischen dem Genuss von Kaffee und dem allgemeinen Krebsrisiko gibt.
In seinem Bericht aus dem Jahr 2007 bestätigt der WCRF seine Beurteilung aus seinen früheren Aussagen, dass die vorhandenen Daten es unwahrscheinlich erscheinen lassen, dass Kaffee einen Effekt auf das Blasenkrebsrisiko hat.

Vor allem die neueren Studien lassen darauf schließen, dass der Genuss von Kaffee das Krebsrisiko für einige Krebsarten (Leber, Dickdarm, Brust, Prostata) sogar senken kann.

Es wäre somit wünschenswert, dass diese neueren Erkenntnisse mit in eine erneute Einstufung einbezogen werden – bislang jedoch wurden seit 1997 diesbezüglich keine Änderungen der IARC bzw. der WHO vorgenommen.

 

Quellen:

 

  1. IARC. IARC Monographs: Evaluatin of Carcinogenic Risks to Humans, Vol 56, Pickled Vegetables. International Agency for Research on Cancer, Lyon 1997
  2. IARC. IARC Monographs: Evaluation of Carcinogenic Risks to Humans, Vol 51, Coffee, Tea, Mate. Methylxanthines and Methylglyoxal. International Agency for Research on Cancer, Lyon 1997
  3. Sala, M. et al. Cancer Causes and Control, 11, 925-931, 2000
  4. Ros, M.M. et al. Int. J. Cancer 128, 2695-2708, 2010