Kaffee bringt Erinnerungsvermögen auf Trab?

Schlafmangel führt zu Gedächtnisproblemen – die durch Kaffeegenuss wieder beseitigt werden können

Es ist bekannt, dass Schlaf die Festigung von Erinnerungen erleichtert, Schlafmangel hingegen kann die Gedächtnisleistung behindern. So kommt es immer wieder vor, dass Menschen fest davon überzeugt sind, sich an etwas zu erinnern, das tatsächlich nie so geschehen ist.
Die Ursache für solche falschen Erinnerungen ist laut Forschern der Universität Lübeck nicht, dass Erinnerungen fehlerhaft abgespeichert werden, sondern dass bei Schlafmangel die Erinnerung nur ungenau abgerufen werden kann. Sobald der Schlafmangel ausgeglichen ist, verringert sich die Wiedergabe falscher Erinnerungen. Denselben positiven Effekt hat offenbar auch eine Tasse Kaffee.

In der Lübecker Studie erhielten die Probanden eine Wortliste, die sie lernen sollten. Darauf befanden sich Worte, die allesamt eine Assoziation zu "schwarz" hatten, wie etwa "Kohle", "Nacht" oder "dunkel". Nach dem Lernen durfte ein Teil der Studienteilnehmer durchschlafen oder musste im Anschluss wach bleiben. Neun, 33 und 44 Stunden später wurde die Liste abgefragt. Beim Abfragen der Liste zeigte sich, dass die übermüdeten Probanden deutlich häufiger "schwarz" der Liste zuordneten, obwohl dieses nicht in der Wortliste enthalten war. Die ausgeschlafenen Teilnehmer machten hier kaum Fehler.

Ließ man die übermüdeten Probanden in der folgenden Nacht durchschlafen, gab es beim Wiedergeben der Liste dagegen keinen Unterschied mehr zu den ausgeruhten Teilnehmern. Demnach beruhen die falschen Erinnerungen nicht auf falsch abgespeicherte Informationen, so die Forscher, Ursache sei vielmehr, dass bei Übermüdung die Informationen nicht richtig abrufbar seien.

Erhielten die übermüdeten Teilnehmer eine Stunde vor der Befragung eine Tasse Kaffee, wirkte dies in Bezug auf das Gedächtnis so, als ob der Schlafmangel ausgeglichen sei: Die Wortliste wurde häufiger korrekt wiedergegeben.

Quellen:
Diekelmann, S.: Sleep deprivation produces false memories. Vortrag auf dem 6th FENS – Forum of European Neuroscience in Genf (13.07.2008)

Smith, K.: Sleep loss produces false memories. Nature, Online-Publikation (14.07.2008)


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