Neue Studie bestätigt: kein erhöhtes Darmkrebsrisiko
durch Kaffeegenuss

(Mai 2010) Selbst der Konsum großer Mengen von Kaffee oder Süßgetränken erhöht offenbar nicht das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken. Das ist das Ergebnis einer neuen umfangreichen US-amerikanischen Studie, in der mehrere Kohortenstudien ausgewertet wurden.
 
Einigen frühere Studien zufolge können Kaffee und Tee das Krebsrisiko senken, andere wiederum kamen zu dem Schluss, dass die Getränke das Risiko erhöhen. In der aktuellen Studie nun  analysierten Xuehong Zhang und sein Team von der Harvard School of Public Health Daten aus 13 Studien in Nordamerika und Europa. Von den 731.441 Teilnehmern der Studie, die über einen Zeitraum von 20 Jahren beobachtet wurden, entwickelten 5.604 Darmkrebs. Dabei konnte die Studie Befürchtungen entkräften, der häufige Genuss von Kaffee oder zuckerhaltigen Süßgetränken könnte das Darmkrebsrisiko erhöhen. Auch häufiger Teekonsum spielte wohl keine entscheidende Rolle.

In der Vergangenheit wurde vor allem der Einfluss fester Speisen (rotes Fleisch) oder grundsätzlicher Ernährungsgewohnheiten (Fleischkonsumenten versus Vegetarier) auf das Darmkrebsrisiko untersucht. Doch auch mit Getränken gelangen karzinogene Stoffe in den Körper. Bei Soda-Getränken könnten dies künstliche Süßstoffe sein, Kaffee enthält zahllose Röststoffe, und im Tee sind krebsfördernde Polyamine nachgewiesen worden. Andererseits enthält Tee aber  auch krebsprotektive Polyphenole, und Kaffee könnte durch eine Förderung der Darmtätigkeit die Zeit verkürzen, während der der Darm Karzinogenen ausgesetzt ist.

Die Ergebnisse der neuen amerikanischen Studie jedenfalls können Kaffeetrinker beruhigen: Denn selbst acht große Becher (oder 1,4 Liter) am Tag waren nicht mit einer erhöhten Zahl von Darmkrebserkrankungen assoziiert. Das gleiche trifft auf den Konsum von Süßgetränken zu, die aber in höherem Lebensalter, in dem Darmkrebserkrankungen meist auftreten, nicht in dem Maße wie von jüngeren Menschen getrunken werden. Die Studie liefert bis zu einer Trinkmenge von 550 Gramm am Tag eine Entwarnung.
Nicht ganz so klar war die Situation beim Teegenuss: Starke Teetrinker (vier große Becher oder 900 Gramm am Tag) erkrankten zu 28 Prozent häufiger an Darmkrebs . Doch hierbei wenden Cynthia Thomson und Maria Elena Martinez vom Arizona Cancer Center in Tuczon im Editorial  ein, dass in den Kohorten (zumeist Europäer und weiße US-Amerikaner) nur wenige Teilnehmer einen hohen Teekonsum hatten, was eine falsch positive Assoziation nicht ausschließe.

Der Zusammenhang von Tee und Darmkrebsrisiko müsse daher nach Ansicht der Wissenschaftler weiter untersucht werden, bevor endgültige Aussagen möglich seien. Ebenso müsse untersucht werden, ob das Hinzufügen von Milch und Zucker in Kaffee oder Tee Einfluss auf das Krebsrisiko haben könnte.

Quellen:
Zhang, X. et al.: Risk of Colon Cancer and Coffee, Tea, and Sugar-Sweetened Soft Drink Intake: Pooled Analysis of Prospective Cohort Studies. Journal of the National Cancer Institute, Onlinevorabveröffentlichung am 7. Mai 2010, Abstract: jnci.oxfordjournals.org/cgi/content/abstract/djq107

Pressemeldung Journal of the National Cancer Institute vom 7. Mai 2010,
jnci.oxfordjournals.org/cgi/content/full/djq199

Kein Darmkrebs durch Kaffee oder Brause, Deutsches Ärzteblatt, 10.05.2010,
www.aerzteblatt.de/nachrichten/41170/Kein_Darmkrebs_durch_Kaffee_oder_Brause.htm

Kaffee und Softdrinks keine Risikofaktoren für Darmkrebs, Deutsche Krebsgesellschaft, 17.05.2010, www.krebsgesellschaft.de/news_detail,,,160737,detail.html