Schwangeren wird schon länger geraten, mit ihrer Koffeinaufnahme etwas vorsichtiger zu sein. Hintergrund für diese Empfehlung sind Hinweise, dass zu viel Koffein das Risiko eines spontanen Schwangerschaftsabbruchs erhöhen könne. Forscher aus den USA haben nun nachgeprüft, was Gynäkologen, als direkte Berater von schwangeren Frauen, eigentlich über die möglichen Wirkungen von Koffein wissen, und wie sie dieses Wissen in der Praxis einsetzen.
Als Vorsichtsmaßnahme wird Schwangeren international empfohlen, nicht mehr als 300 Milligramm Koffein pro Tag (bzw. nicht mehr als 5 bis 6 Milligramm Koffein pro Kilogramm Körpergewicht) zu sich zu nehmen, was beispielsweise 3 Tassen Kaffee entspricht – oder für die Zeit der Schwangerschaft und des Stillens auf entkoffeinierten Kaffee umzusteigen. Diese Empfehlung hat sich auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung zu eigen gemacht. Wobei immer beachtet werden sollte, dass auch Tee, Schokolade, Energygetränke und manche Softdrinks größere Mengen an Koffein enthalten.
Die Forscher hatten insgesamt 384 Frauenärzte in den USA zu 21 Punkten befragt. Unter anderem zeigte sich dabei, dass viele der Ärzte keine exakte Vorstellung davon hatten, wie viel Koffein in welchen Getränken bzw. Nahrungsmitteln tatsächlich enthalten ist. Auch bei der Definition, was eine hohe Koffeinmenge ist, taten sich die Ärzte schwer. Nur ca. 13 Prozent nannten 300 Milligramm oder mehr, zwei Drittel aber gaben auf die Frage gar keine Antwort.
Vermutlich auf die insgesamt nicht wirklich eindeutige Datenlage zum Einfluss von Koffein auf eine Schwangerschaft ist zurückzuführen, dass die Ärzte manche Risiken deutlich überschätzen (Todgeburten), andere eher unterschätzen (Spontanaborte).
Die durchschnittliche Halbwertszeit von Koffein im Organismus beträgt 4 bis 6 Stunden, wobei es eine große individuelle Schwankungsbreite gibt. Außerdem kann z. B. die Antibabypille den Koffeinabbau verzögern, Rauchen wiederum beschleunigt ihn. Aufgrund von hormonellen Einflüssen verläuft der Koffeinmetabolismus währen des zweiten und dritten Schwangerschaftstrimesters langsamer. Dies kann zu erhöhten Koffeinwerten führen, wenn Schwangere ihren Koffeinkonsum genauso fortführen wie vor der Schwangerschaft. Föten und Neugeborene verarbeiten Koffein extrem langsam, die Halbwertszeit kann auf 80 bis 100 Stunden ausgedehnt sein. Der Grund dafür ist das noch unreife Lebersystem, welches erst im Alter von 6 bis 8 Monaten voll entwickelt ist. Typischerweise wurden Spontanaborte daher auch vor allem bei jenen Frauen beobachtet, die extrem große Mengen Koffein zu sich genommen hatten.
Obwohl den meisten Befragten bekannt war, dass Koffein über die Plazenta an den Fötus und später über die Muttermilch an das Neugeborene weitergeben wird, wusste nur weniger als ein Viertel der Ärzte, dass während der Schwangerschaft die Verstoffwechselung von Koffein im Körper der Frauen verlangsamt abläuft. 40 Prozent meinten sogar irrtümlich, der Koffeinabbau sei bei Schwangeren beschleunigt.
Quelle:
Anderson et al. (2009) Caffeine`s implications for women´s health and survey of obstetrician-gynaecologists´ caffeine knowledge an assessment practices.
Journal of Women´s Health, Vol. 18,9,

