Ängstlichkeit

Was Kaffee weltweit so beliebt macht, ist vor allem seine anregende Wirkung. Es gibt jedoch einzelne Menschen, denen genau diese Eigenschaft zu schaffen macht: Sie verspüren nach dem Genuss von koffeinhaltigen Getränken Herzrasen, Schweißausbrüche, Unruhezustände oder eine unbestimmte Angst. Gerade Patienten, die an einer Angsterkrankung leiden, trinken deswegen häufig keinen Kaffee mehr oder reduzieren den Konsum. Studien bestätigten schon in den 90er-Jahren den Verdacht, dass Koffein, vor allem in hohen Dosen, Angstsymptome auslösen kann.


Ein Review aus dem Jahr 2011 bestätigt die Annahme, dass es einen positiven Zusammenhang zwischen Koffein und Ängstlichkeit bzw. Angststörungen gibt [1]. Ob ein Mensch auf Koffein mit einer erhöhten Ängstlichkeit reagiert oder nicht, liegt wahrscheinlich vor allem in den Genen. Eine kleine Variante im Gen des Adenosin-A2A-Rezeptors scheint eine wichtige Rolle in diesem Prozess zu spielen [2].

 

Doch wer einmal mit Angst auf Kaffee reagiert, muss dies nicht sein Leben lang tun: Bei Menschen, die regelmäßig eine mittlere oder hohe Dosis Koffein zu sich nehmen, ist der Geneffekt schwächer. Mit anderen Worten: Wahrscheinlich kann sich die anlagebedingte Unverträglichkeit bei schrittweiser Steigerung der Dosis und regelmäßigem Konsum zurückbilden [2].

 

Bei einem Versuch mit Ratten, die ständig wiederholtem und unvorhersehbarem Stress ausgesetzt worden waren, untersuchten Forscher die Effekte einer langfristigen Behandlung mit Koffein bzw. einem Antidepressivum. Der chronische Stress rief bei den Tieren u. a. depressives Verhalten und eine erhöhte Ängstlichkeit hervor. Die längerfristige orale Koffeingabe übte, ähnlich wie das Medikament, eine antidepressive und angstauflösende Wirkung aus [3].

 

1. Vilarim, M.M. et al. Expert Reviews Neurotherapy, 11, 2011.

2. Rogers, P.J. et al. Neuropsychopharmacology, 35, 1973-1983, 2010.

3. Pechlivanova, D.M. et al. Behav Pharmacol., 23, 339-47, 2012.