- 1: Allgemeines.
- 2: Vorbemerkung zu Studiendesigns.
- 3: Wirkungen im Überblick.
- 4: Inhaltsstoffe.
- 5: Einfluss auf Psyche und Körper.
- 5.1: Wachheit.
- 5.2: Ängstlichkeit.
- 5.3: Geistige Leistungsfähigkeit.
- 5.4: Schlaf.
- 5.5: Gewöhnung/Abhängigkeit.
- 5.6: Physische Leistungsfähigkeit und Sport.
- 6: Einfluss auf ausgewählte Krankheitsbilder.
Immer wieder wird im Zusammenhang mit Koffein auch von einer „Droge“ gesprochen, und es wird ihm ein Missbrauchspotenzial zugeschrieben. Die zuständigen Behörden weltweit haben jedoch für den Konsum von Koffein keinerlei Beschränkungen angeordnet. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) konstatierte, „es gibt keine Hinweise irgendwelcher Art, dass Koffeinkonsum auch nur im entferntesten Folgen hat, die mit den physischen und sozialen Konsequenzen von ernsten Drogen vergleichbar wären (1).“
Zwei Reviews von 1998 und 1999 haben die Koffeinwirkungen hinsichtlich des Entzugs, der Toleranzentwicklung, der Verstärkung und der Abhängigkeit ausgewertet (2,3). Die Schlussfolgerungen daraus lauteten:
- Es wurden Entzugserscheinungen beschrieben, die nicht mit der täglich aufgenommenen Koffeinmenge in Beziehung zu stehen scheinen.
- Die beobachten Entzugssymptome waren zwar nur schwach ausgeprägt, sie könnten aber dennoch zur weiteren Beibehaltung des Koffeinkonsums beitragen.
- Eine Toleranzentwicklung scheint zumindest bei einigen Personen stattzufinden.
- Die reizverstärkenden Effekte von Koffein treten vor allem bei kleinen bis mittleren Dosierungen auf, wie sie in einer Tasse Kaffee oder einem Glas mit Softdrinks enthalten sind.
Die Autoren dieser beiden Reviews folgern, dass Koffein nicht die Kriterien für ein mögliches Abhängigkeitsrisiko erfüllt.
Auch andere Beobachtungen sprechen gegen eine Koffein-Abhängigkeit. Klassische Missbrauchsdrogen wie Amphetamine, Kokain oder Nikotin stimulieren die Freisetzung von Dopamin im Nukleus accumbens im basalen Vorderhirn, jener Struktur, die für Belohnung, Motivation und Suchtverhalten zuständig ist. Koffein übt auf den Nukleus accumbens jedoch keinen derartigen Effekt aus. Da Kaffee oral über den Tag verteilt aufgenommen wird (im Gegensatz zu injizierbaren oder inhalierbaren Drogen), erfolgt die Resorption mit Verzögerung und dies wiederum verringert das Abhängigkeitsrisiko.
Ein Review aus dem Jahr 2006 versucht, die Begriffe Sucht und Entzug neu zu definieren (4). Danach versteht man unter Sucht, dass der Betroffene dem regulären Konsum einer Droge nicht widerstehen kann und dass sich daraus Probleme ergeben. Koffein passt nicht in dieses Suchtprofil, es schädigt weder den Einzelnen noch die Gesellschaft, und die Kaffeetrinker werden nicht dazu gezwungen, Kaffee zu trinken. Wenn man den gewohnheitsmäßigen Kaffeekonsum beendet, können sich zwar Symptome wie Kopfschmerzen oder Lethargie einstellen, diese sind jedoch nur sehr leicht ausgeprägt und können durch erneute Koffeinzufuhr verlässlich beseitigt werden. Die Autoren dieses Reviews folgern aus dem vorhandenen Datenmaterial, dass Koffein weder nach den Kriterien des gesunden Menschenverstands noch nach wissenschaftlicher Definition eine suchtauslösende Substanz ist.
1. World Health Organisation (WHO). The ICD-10 classification of mental and behavioral disorders. World Health Organisation: Geneva, 1994.
2. Nehlig, A. Neuroscience and Biobehavioral Reviews, 23, 563-576, 1999.
3. Daly, J.W. Drug and Alcohol Dependence, 51, 199-206, 1998.
4. Satel,S. The American Journal of Drug and Alcohol Abuse, 32, 493-502, 2006.

