Physische Leistungsfähigkeit und Sport

Immer wieder wird berichtet, dass Kaffee (Koffein) die körperliche Leistungsfähigkeit verbessert (1,2,3,4,5). Bereits 1978 konnte gezeigt werden, dass die Gabe von 330 mg Koffein eine Stunde vor Trainingsbeginn auf einem Fahrradergometer die Zeitdauer bis zum Eintritt der Erschöpfung verlängerte (6). Eine Vielzahl weiterer Studien bestätigte seitdem diese Beobachtung. Außerdem wurde die physische Leistungsfähigkeit insgesamt gesteigert. Mittels Untersuchungen an trainierten Langläufern ermittelte man die für eine Leistungssteigerung optimale Koffein-Dosis; diese liegt bei 3 bis 6 mg/kg Körpergewicht (7).

Während die Untersuchungen für Ausdauersportarten also einen leistungsfördernden Effekt von Koffein belegen, ist dieser bei sportlichen Kurzzeit-Höchstbelastungen zwischen 1 und 10 Minuten weniger eindeutig.

Den leistungsfördernden Eigenschaften des Koffeins zugrunde liegt, nach heutiger Annahme, folgender Mechanismus: In vitro stimuliert Koffein in Muskelzellen die Mobilisierung von intrazellulärem Kalzium (7). Dies könnte die Muskelkontraktion und Ausdauer erhöhen, die neuromuskuläre Signalübertragung verbessern und so in vivo die Maximalkraft steigern. Hinzu kommt möglicherweise noch, dass Koffein bekanntermaßen die Konzentrationsfähigkeit und Aufmerksamkeit /Wachheit steigert sowie die Müdigkeit verringert und deshalb auch auf diesem Weg das physische Leistungsvermögen positiv beeinflusst (3).

Für Ausdauer-Sportler nachteilig auswirken könnte sich die diuretischen Eigenschaften des Koffeins, weil sich - insbesondere unter extremen feucht-warmen klimatischen Bedingungen – das Risiko einer Dehydratation erhöht (8,9).

Obwohl die leistungssteigernden Eigenschaften von Koffein bei vielen Ausdauer-Sportarten wie Schwimmen, Radfahren, oder Tennis eindeutig nachgewiesen sind (10,11,12), strich das Internationale Olympische Komitée (IOC) im Jahr 2004 Koffein von der Liste der verbotenen Substanzen.

1. Dodd, S.L. et al. Sports Medicine, 15, 14-23, 1993.
2. Nehlig, A. and Debry, G. International Journal of Sports Medicine, 15, 215-223, 1994.
3. Graham, T.E. Sports Medicine, 31, 785-807, 2001.
4. Graham, T.E. Canadian Journal of Applied Physiology, 26 (Suppl.): S103-S119, 2001.
5. Paluska, S.A. Current Sports Medicine Reports, 2, 213-219, 2003.
6. Costill, D.L. et al. Medicine and Science in Sports and Exercise, 10, 155-158, 1978.
7. Graham, T.E. and Spriet, L.L. Journal of Applied Physiology, 78, 867-874, 1995.
8. Grandjean, A.C. et al. Journal of the American College of Nutrition, 19, 591-600, 2000.
9. Armstrong, L.E.International Journal of Sport Nutrition and Exercise Metabolism, 12, 189-206, 2002.
10. MacIntosh, B.R. and Wright, B.M. Canadian Journal of Applied Physiology, 20, 168-177, 1995.
11. Ferrauti, A. et al. Journal of Sports Medicine and Physical Fitness, 37, 258-266, 1997.
12. Wemple, R.D. et al. International Journal of Sports Medicine, 18, 40-46, 1997.