- 1: Allgemeines.
- 2: Vorbemerkung zu Studiendesigns.
- 3: Wirkungen im Überblick.
- 4: Inhaltsstoffe.
- 5: Einfluss auf Psyche und Körper.
- 6: Einfluss auf ausgewählte Krankheitsbilder.
- 6.1: Asthma.
- 6.2: Herzerkrankungen.
- 6.3: Diabetes.
- 6.4: Magen-Darm-Trakt.
- 6.5: Gallensteine.
- 6.6: Leberzirrhose.
- 6.7: Nierenfunktion und Wasserhaushalt.
- 6.8: Kalzium-Gleichgewicht und Knochengesundheit.
- 6.9: Schwangerschaft.
- 6.10: Krebs.
- 6.11: Alzheimer-Demenz.
- 6.12: Parkinson.
Die wohltuende Wirkung von Kaffee bzw. Koffein auf Asthma wird schon seit mehr als 100 Jahren gerühmt. So wurden Asthma-Patienten in Schottland bereits seit 1859 ganz offiziell mit Koffein behandelt, um ihnen das Atmen zu erleichtern (1). Inzwischen konnten moderne wissenschaftliche Studien diese althergebrachten Einschätzungen weitgehend bestätigen, so dass Koffein bzw. koffeinhaltigen Getränken heute durchaus eine Rolle beim Asthma-Management zugeschrieben werden kann.
Zwei groß angelegte Querschnittsstudien untersuchten den Zusammenhang zwischen dem Kaffeekonsum und der Asthma-Prävalenz. In der italienischen Studie mit mehr als 72.000 Probanden zeigte sich, dass Kaffeegenuss die Erkrankungshäufigkeit bei Asthma reduzierte (2). Bei einem täglichen Kaffeekonsum von mehr als drei Tassen sank das Asthma-Risiko um 28 Prozent. Im zweiten National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES II, 1992) wurden mehr als 20.000 Amerikaner untersucht, und auch hier ergab sich eine signifikante Reduktion des akuten Asthma-Risikos um 29 Prozent bei Kaffee-Trinkern im Vergleich zu Nicht-Kaffee-Trinkern. Es konnte zudem eine signifikante Dosis-Wirkungsbeziehung nachgewiesen werden (3).
Ein Review aus dem Jahr 2003 unterzog neun Interventionsstudien zur Wirkung von Koffein auf die Lungenfunktion einer kritischen Prüfung (4). Wegen offensichtlicher Fehler im Studiendesign mussten drei Untersuchungen allerdings sofort ausgeschlossen werden. Eine Studie mit sieben erwachsenen Asthma-Patienten zeigte keine Unterschiede zwischen der Einnahme von Koffein (6 mg/kg Körpergewicht) und Placebo im Hinblick auf die Atemwegsreaktivität auf Metacholin. Im Gegensatz dazu ergab eine doppelblinde, randomisierte Untersuchung mit neun Asthma-Patienten, und vier Dosen Koffein (7,2 mg/kg Körpergewicht) einen Dosis-abhängigen Effekt auf das forcierte Ausatmungsvolumen, den Ausatmungsfluss und die spezifische Atemwegsleitfähigkeit. Daraus lässt sich schließen, dass Koffein ein effektiver Bronchodilatator ist (5).
Der Einfluss von Koffein auf das forcierte Ausatmungsvolumen wurde in einer weiteren Studie mit acht Asthma-Patienten und 5 mg Koffein/kg Körpergewicht bestätigt, in einer anderen wiederum zeigte sich kein signifikanter Effekt auf eine histamin-provozierte Bronchokonstriktion hin. Zwei Dosen von 7 mg Koffein/kg Körpergewicht hingegen verhinderte in einer Studie mit 10 Asthma-Patienten die anstrengungs-induzierte Bronchokonstriktion. In einer nachfolgend durchgeführten randomisierten, doppel-blinden, placebo-kontrollierten Untersuchung mit 11 Asthma-Patienten konnte gezeigt werden, dass 10 mg Koffein/kg Körpergewicht die Bronchokonstriktion reduzierten; 5 mg Koffein/kg Körpergewicht reichten dafür jedoch nicht aus (6).
1. Salter, H. Edinburgh Medical Journal, 4, 1109-1115, 1859.
2. Pagano, R et al. Chest, 94, 386-389, 1988.
3. Schwartz, J. and Weiss, S.T. Annals of Epidemiology, 2, 627-635, 1992.
4. Bara, A.I. and Barley, E.A. Caffeine for asthma (Cochrane Review). In: The Cochrane Library, Issue 2, 2003
5. Gong, H. et al. Chest, 89, 335-342, 1986.
6. Duffy, P. et al. Chest, 99, 1374-1377, 1991.

