Diabetes

Weltweit breitet sich der Typ-2-Diabetes geradezu epidemisch aus. Deutschland macht hier keine Ausnahme. Derzeit rechnet man mit mindestens sechs Millionen Bundesbürgern, die vom sogenannten Altersdiabetes betroffen sind. Doch schon in wenigen Jahren soll sich deren Zahl auf acht Millionen erhöht haben, sagen Experten voraus, und ein Ende dieser Entwicklung sei nicht in Sicht.

Es ist daher wenig erstaunlich, dass man intensiv nach Faktoren sucht, mit denen sich die Diabetes-Inzidenz möglicherweise begrenzen ließe. In diesem Zusammenhang wurde auch der Einfluss von Kaffee und Koffein in zahlreichen Studien untersucht. Teilweise kam man dabei zu widersprüchlichen Ergebnissen. Vor allem die aktuelleren Studien weisen aber doch daraufhin, dass der regelmäßige Kaffeekonsum das Risiko für einen Typ-2-Diabetes reduzieren kann.

So kam eine niederländische Kohortenstudie aus dem Jahr 2002 mit mehr als 17.000 Teilnehmern zu dem Ergebnis, dass der Genuss von mindestens sieben Tassen Kaffee täglich, das Diabetesrisiko halbierte (1). Auch eine schwedische Studie von 2004 ergab eine Minimierung des Diabetesrisikos und der gestörten Glukose-Toleranz mit steigendem Kaffeekonsum (2).

Im Jahr 2006 wurde eine prospektive Kohortenstudie mit rund 88.000 Frauen (Teil der US Nurses Health Study) publiziert (3). Die Autoren beobachteten, dass der mäßige Genuss von koffeiniertem und dekoffeiniertem Kaffee das Typ-2-Diabetesrisiko bei jungen Frauen und Frauen mittleren Alters verringern kann. Sie folgern daraus, dass für diese Risikoreduktion vermutlich nicht das Koffein, sondern ein anderer Inhaltsstoff des Kaffees verantwortlich ist. Der exakte Wirkmechanismus müsse noch weiter erforscht werden (4).

Eine weitere Studie aus 2006 wertete den Effekt des Kaffeekonsums auf die Glukose-Toleranz, den Blutzuckerspiegel und die Insulinkonzentration aus. Bei Männern und Frauen zeigte sich, dass Kaffeegenuss einen positiven Einfluss auf diese glykämischen Marker ausübte (5).

Erhärtet werden die bisherigen Aussagen durch eine Reihe weiterer großer Untersuchungen aus dem Jahr 2006. So zeigte sich auch in einer japanischen Studie mit mehr als 17.000 Teilnehmern eine Typ-2-Diabetes-Risikominderung durch Kaffee und Grünen Tee bei Frauen und übergewichtigen Männern (6). In den Niederlanden prüfte man, welchen Einfluss verschiedene Lifestyle-Faktoren im Hinblick auf eine Diabetes-Prävention haben (7). Das geringste Risiko zeigte sich bei Personen, die täglich vier bis sieben Tassen Kaffee zu sich nahmen. Einen ähnlichen Ansatz verfolgte man in einer Studie mit 21.000 Männern und Frauen in Finnland (8). Auch hier zeigte sich, dass das Trinken von Kaffee das Typ-2-Diabetesrisiko senkt, und zwar unabhängig vom Body Mass Index, dem Grad der körperlichen Aktivität oder dem Alkoholkonsum der Probanden.

Einen weiteren Hinweis, dass vermutlich nicht das Koffein allein der ausschlaggebende Faktor für die Kaffee-Wirkung auf das Diabetes-Risiko ist, lieferte  IOWA Womens Health Study, an der sich 28.000 Frauen beteiligt hatten (9). Man verglich darin den Einfluss von koffeiniertem Kaffee mit dekoffeiniertem. In beiden Kohorten zeigte sich eine Senkung des Typ-2-Diabetesrisikos, besonders deutlich jedoch bei der Gruppe, die dekoffeinierten Kaffee zu sich genommen hatten. Smith et al. wiederum untersuchten den Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum und dem Auftreten von Diabetes auf der Basis eines oralen Glukosetoleranztests und unterschieden dabei zwei Gruppen, die entweder normale oder gestörte Blutzuckerwerte aufwiesen (10). Die Autoren fanden dabei einen beeindruckenden protektiven Effekt von koffeiniertem Kaffee auf das Typ-2-Diabetesrisiko.

Eine Studie aus 2007 mit 10 Diabetikern, die Koffeinkapseln mit einer Koffeindosis vergleichbar mit vier Tassen Kaffee einnehmen mussten, kam zu dem Ergebnis, dass dies den Glukose-Stoffwechsel anregt und die Blutzuckerwerte über einen Zeitraum von 72 Stunden ansteigen lassen kann (11). Wegen der geringen Zahl von Studienteilnehmern und der ungewöhnlichen Verabreichung von Koffein in hohen Einzeldosen, muss man dieses Resultat mit Vorsicht bewerten. Der durch eine große Zahl anderer Studien belegte präventive Effekt von Kaffee auf Diabetes wird dadurch nicht in Frage gestellt.

Welche Mechanismen für den präventiven Einfluss von Kaffee verantwortlich sind, konnte noch nicht eindeutig geklärt werden. Möglicherweise spielen Koffein und Theophyllin doch eine Rolle, da sie bekanntermaßen als starke Stimulanzien für die Insulin-produzierenden Zellen gelten. Doch auch die hemmende Wirkung der Chlorogensäure auf ein Glukose-bildendes Enzym im Dünndarm mag hier ein wichtiger Faktor sein.

1. Van Dam, R.M. and Feskens, E.J.M. Lancet, 360, 1477-1478, 2002.
2. Agargh  et al. Journal of Internal Medicine, 255, 645-652, 2004.
3. Van Dam, R. et al. Diabetes Care, 29, 398-403, 2006
4. Van Dam, R. et al. Nutrition, Metabolism and Cardiovascular Disease, 16, 69-77, 2006.
5. Bidel, S. et al, Horm, Metab, Research, 38, 38-43, 2006.
6. Iso, H. et al, Annals of Internal Medicine, 144, 2006.
7. Gruber, A. et al, International Journal of Clinical Practice, 60, 2006.
8. Hu,G et al, International Journal of Obesity, 2006
9. Pereira,M.A. et al, Archives of Internal Medicine, 166, 2006.
10. Smith, B. et al, Diabetes Care, Volume 29, 2006
11. Lane, J. et al: Diabetes Care, 2007

__________

weitere Informationen zu Diabetes finden Sie u. a. auf Opens external link in new windowcurado.de