- 1: Allgemeines.
- 2: Vorbemerkung zu Studiendesigns.
- 3: Wirkungen im Überblick.
- 4: Inhaltsstoffe.
- 5: Einfluss auf Psyche und Körper.
- 6: Einfluss auf ausgewählte Krankheitsbilder.
- 6.1: Asthma.
- 6.2: Herzerkrankungen.
- 6.3: Diabetes.
- 6.4: Magen-Darm-Trakt.
- 6.5: Gallensteine.
- 6.6: Leberzirrhose.
- 6.7: Nierenfunktion und Wasserhaushalt.
- 6.8: Kalzium-Gleichgewicht und Knochengesundheit.
- 6.9: Schwangerschaft.
- 6.10: Krebs.
- 6.11: Alzheimer-Demenz.
- 6.12: Parkinson.
Zum Thema Kaffeekonsum und Krebsrisiko gibt es bislang noch keine Interventionsstudien. Daraus folgt, dass auch keine Belege für eine Ursache-Wirkungsbeziehung vorhanden sind. Hingegen gibt es zahlreiche Fall-Kontroll sowie Kohortenstudien, die sich mit Kaffee und dem Krebsrisiko für verschiedene Organe wie Blase, Brust, Dickdarm, Ovar, Pankreas und Nieren befasst haben und die im Anschluss kurz beleuchtet werden sollen.
In regelmäßigen Abständen werden die vorhandenen Studiendaten einem Review unterzogen. Im Jahr 1997 kam der World Cancer Research Fund in Kooperation mit dem American Institute for Cancer Research zu dem Schluss (1); dass es keine Beziehung zwischen dem Genuss von Kaffee und dem Krebsrisiko gibt. Die Autoren eines Reviews aus dem Jahr 2000 bekräftigten diese Aussagen nochmals eindeutig (2). Aus wissenschaftlicher Sicht gibt es daher keinen Grund zur Annahme, dass Kaffeekonsum das Krebsrisiko in irgendeiner Weise fördern könnte.
Blase und untere Harnwege
In einigen älteren Fall-Kontrollstudien wurde zunächst zwar ein schwacher Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum und Blasenkrebs festgestellt, diese Aussage musste aber teilweise weiter abgeschwächt werden, wenn weitere Risikofaktoren wie zum Beispiel Rauchen in die Analyse einbezogen wurden (3).
In zwei Meta-Analysen von Fall-Kontrollstudien kommen die Autoren zum Ergebnis, dass die besten verfügbaren Daten weder bei Frauen noch bei Männern einen Hinweis auf einen klinisch relevanten Zusammenhang zwischen dem gewöhnlichen Kaffeekonsum (bis maximal 10 Tassen täglich) und der Entwicklung von Krebs in den unteren Harnwegen liefern (4,5).
Auch die vorliegenden und vom Design her verlässlicheren Kohortenstudien konnten keine signifikante Relation zwischen Kaffee und Risiko von Blasenkrebs aufdecken (6,7,8,9). In seinem aktuellsten Bericht aus dem Jahr 2007 bestätigt daher der World Cancer Research Fund seine Beurteilung aus seinen früheren Statements, dass die vorhandenen Daten es unwahrscheinlich erscheinen lassen, dass Kaffee einen Effekt auf das Krebsrisiko hat.
Brust
Was den Brustkrebs bei Frauen anbelangt, haben mehrere Fall-Kontroll- und Kohortenstudien keinen Zusammenhang zwischen dem Konsum von Kaffee und dem Krebsrisiko feststellen können (3). Eine finnische Fall-Kontrollstudie fand bei postmenopausalen Frauen sogar eine leichte umgekehrte Beziehung (10).
Brustkrebs bei Männern ist eine eher seltene Erkrankung, daher wurden hierzu auch deutlich weniger Studien durchgeführt. Eine kanadische Fall-Kontrollstudie ergab, dass das Brustkrebsrisiko bei den untersuchten Männern durch den Kaffeegenuss signifikant gesenkt wurde (11). Ob sich dieser schützende Effekt verifizieren lässt, müssen weitere Studien zeigen.
Dickdarm und Mastdarm
Studien, die einen Zusammenhang zwischen Kaffee und kolorektalen Karzinomen untersuchten, kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen (2,3). Während eine größere Zahl von retrospektiven Fall-Kontrollstudien einen protektiven Effekt des Kaffeegenusses mit einer Risikoverminderung von bis zu 24 Prozent feststellten, konnten einige prospektive Kohortenstudien diesen Effekt nicht bestätigen (12). Hier sind weitere Studien notwendig, durch die diese Diskrepanz der Resultate abgeklärt werden könnte.
Ovar
Ähnlich unterschiedlich sind auch die Interpretationen der Studien zum Ovarialkarzinom. Von 12 Fall-Kontrollstudien fanden 9 keinen signifikanten Zusammenhang von Kaffeekonsum und dem Risiko, ein Ovarialkarzinom zu entwickeln (13-21). Zwei Studien kamen zu einem anderen Ergebnis (22,23).
Wenn allerdings prämenopausale und postmenopausale Frauen getrennt betrachtet wurden, zeichnete sich bei den prämenopausalen Frauen ein signifikant höheres Risiko durch den Genuss von Kaffee/Koffein ab. Dies traf nicht auf Frauen nach der Menopause zu.
Zwei Kohortenstudien aus Kalifornien und Norwegen hingegen konnten keine Verbindung nachweisen (24,8). Ein konsistenter Beweis für eine Risikoerhöhung durch Kaffeekonsum liegt beim Ovarialkarzinom daher nicht vor.
Pankreas
Nachdem im Jahr 1981 eine in den USA publizierte Fall-Kontrollstudie ein um das zwei bis dreifache erhöhtes Risiko für ein Pankreaskarzinom durch den Konsum von drei oder mehr Tassen Kaffee konstatierte (25), wurde auf diesem Gebiet intensiv weiter geforscht. Mit der Zahl der durchgeführten Fall-Kontrollstudien relativierte sich das Bild rasch. Schon 1990 kam ein Review zu dem Schluss (26), dass die Hypothese von einem Zusammenhang von Kaffeekonsum und dem Risiko für ein Pankreaskarzinom nicht aufrechterhalten werden kann.
13 große Kohortenstudien kamen mehrheitlich zum gleichen Resultat, lediglich eine japanische Untersuchung sowie eine Studie mit postmenopausalen Frauen in Iowa fanden eine Korrelation (27-36). Noch stehen Interventionsstudien aus, durch die sich ein klareres Bild ergeben könnte.
Nieren
Keine der Studien, die bisher nach einem Zusammenhang von Kaffeekonsum und Nierenkarzinomen fahndeten, konnten einen solchen nachweisen. Ein Review aus dem Jahr 2000 stellte daher fest, dass die epidemiologischen Daten diesbezüglich als beruhigend bewertet werden können (2).
Leber
Alle in den letzten Jahren durchgeführten Studien weisen beim Leberkrebs auf einen protektiven Effekt des Kaffeekonsums hin (37-41). Auch die aktuellsten Untersuchungen und Meta-Analysen aus dem Jahr 2007, die Fall-Kontrollstudien und Kohortenstudien einschlossen (42), zeigten, dass ein erhöhter Kaffeekonsum das Leberkrebs-Risiko senken kann. Auf welchen Mechanismen und Substanzen diese Wirkung beruht, ist allerdings noch immer unklar, so die Autoren.
1. World Cancer Research Fund. Food, Nutrition and the Prevention of Cancer: a Global Perspective, 1997.
2. Tavani, A. and La Vecchia, C. European Journal of Cancer Prevention, 9, 241-256, 2000.
3. IARC. IARCMonographs: Evaluation of Carcinogenic Risks to Humans, Vol. 51, Coffee, Tea, Maté, Methylxanthines and Methylglyoxal. International Agency for Research on Cancer, Lyon, 1991.
4. Viscoli, C.M. et al. Lancet, 341, 1432-1437, 1993.
5. Sala, M. et al. Cancer Causes and Control, 11, 925-931, 2000.
6. Mills, P.K. et al. American Journal of Epidemiology, 133, 230-239, 1991.
7. Chyou, P-H. et al. Annals of Epidemiology, 3, 211-216, 1993.
8. Stensvold, I. and Jacobsen, B.K. Cancer Causes and Control, 5, 401-408, 1994.
9. Zeegers, M.P.A. et al. Cancer Causes and Control, 12, 231-238, 2001.
10. Mannisto, S. et al. Journal of Clinical Epidemiology, 52, 429-439, 1999.
11. Johnson, K.C. et al. European Journal of Cancer Prevention, 11, 253-263, 2002.
12. Giovannucci, E. American Journal of Epidemiology, 147, 1043-1052, 1998.
13. Hartge, P. et al. International Journal of Cancer, 30, 531-532, 1982.
14. Byers, T. et al. Journal of the National Cancer Institute, 71, 681-686, 1983.
15. Miller, D.R. et al. Ovarian cancer and coffee drinking In MacMahon B. and Sugimura, T. (eds) Coffee and Health (Banbury Report 17), Cold Spring Harbor, NY, CSH press, 1984.
16. Miller, D.R. et al. International Journal of Epidemiology, 16, 13-17, 1987.
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18. Trichopoulos, D. et al. International Journal of Cancer, 36, 291-297, 1986.
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20. Cramer, D.W. et al. Obstetrics and Gynaecology, 63, 833-838, 1984.
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