Archiv: Jahr 2019

Hier finden Sie Meldungen aus dem Jahr 2019

  • Muntermacher macht Beine

    Kaffee bedeutet vor allem Genuss. Doch Sportler profitieren noch in anderer Hinsicht von dem Getränk, wie Dr. med. Wolfgang Grebe, Mitglied unseres wissenschaftlichen Beirats, in einem Hörfunkbeitrag erklärt.

    Das beliebteste Getränk der Bundesbürger überzeugt nicht nur im Geschmack, sondern auch die wachmachende, konzentrationssteigernde und stimmungsaufhellende Eigenschaft des Kaffees wird sehr geschätzt.

    Das nutzen auch Sportler, wie Grebe anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen 2019 erklärte. „Koffein verbessert ein breites Spektrum an Leistungen, wie die Ausdauer und die Muskelkraft. Koffein stimuliert außerdem das zentrale Nervensystem. Dadurch steigern sich Aufmerksamkeit, Wachheit und Konzentration“, so der Sportmediziner.

    Hier können Sie den Beitrag hören.

    Fakten: Kaffee und Sport

    • Sportler schätzen schon seit Langem die leistungssteigernde Wirkung von Kaffee beim Training oder im Wettkampf.
    • Forscher sind sich einig, dass vor allem das im Kaffee enthaltene Koffein für die ergogenen Effekte verantwortlich ist.
    • Die leistungssteigernde Wirkung macht sich besonders im Ausdauersport bemerkbar, was weithin bekannt ist.
    • Neuere Forschungsergebnisse weisen aber darauf hin, dass Koffein auch bei kurzen, intensiven sportlichen Anstrengungen wie Krafttraining oder im Mannschaftssport zu einer Leistungssteigerung führen kann.
    • Laut Studien reichen moderate Dosen (= 3 mg Koffein pro kg Körpergewicht, also etwa 200 bis 300 mg Koffein oder zwei bis drei Tassen Kaffee) aus, um einen leistungssteigernden Effekt zu erzielen.
    • Ob das Koffein in Form eines Kaffeegetränkes oder z. B. als Koffeintablette eingenommen wird, scheint keinen großen Einfluss auf die Stärke der Wirksamkeit zu haben.
    • Sportler, die in moderaten Mengen Kaffee oder Koffein zu sich nehmen, brauchen nicht zu befürchten, dass dem Körper dadurch Wasser entzogen oder die Flüssigkeitsbalance gestört würde.
  • Kaffee oder Tee – Was hilft nach Darm-OP?

    Der Darm tut sich nach einer Operation oft schwer, zur alten Verdauungsroutine zurückzufinden. Das Verdauungsorgan fällt nach dem Eingriff gewissermaßen in „Schockstarre“ und ist wie gelähmt.

    Es kann mehrere Tage dauern, bis er wieder aktiv wird und der Patient wieder zur Toilette gehen kann. Dieser Zustand kann die Genesung verzögern und den Krankenhausaufenthalt verlängern.

    Besonders gefürchtet ist der sogenannte Ileus, der Darmverschluss. Von einem Ileus geht man aus, wenn sich in den vergangenen 24 Stunden keine Darmtätigkeit in Form von Darmwinden oder erfolgreichem Stuhlgang gezeigt hatte.

    Kein Wunder, dass Mediziner immer wieder nach geeigneten Mitteln suchen, dieser Komplikation vorzubeugen. Auch Kaffee rückte in diesem Zusammenhang bereits in das Visier der Forscher. Zu Recht, wie nun eine Studie zeigte.

    Schweizer Mediziner haben bei 115 Patienten, die sich einer Dickdarmoperation unterzogen hatten, den Effekt von Kaffee im Vergleich zu Kräuter- oder Früchtetee auf die Darmtätigkeit nach der OP untersucht. (1)

    56 Patienten tranken nach der Darm-OP bis zur Entlassung aus dem Krankenhaus dreimal täglich 150 ml Kaffee. Die übrigen 59 Patienten sollten statt Kaffee Tee trinken. Primärer Endpunkt der Studie war die Zeit bis zum ersten Stuhlgang.

    Es zeigte sich: Patienten, die täglich Kaffee tranken, hatten im Mittel 65 Stunden nach der Darm-OP wieder Stuhlgang, bei den Teetrinkern war das erst nach 74 Stunden, also etwa neun Stunden später, der Fall.

    Wie genau Kaffee die Darmtätigkeit stimuliert, ist nicht bekannt. Am Koffein scheint es nicht zu liegen, denn entkoffeinierter Kaffee zeigte in einer früheren Studie den gleichen Effekt. (2)

    Eine kleine Notiz am Rande: Die Studienautoren machten in ihrer Veröffentlichung darauf aufmerksam, dass es recht viele Protokollverletzungen während der Studie gab, und zwar überwiegend in der Tee-Gruppe: Die Patienten tranken Kaffee, obwohl sie dazu angehalten waren, während der Studie keinen Kaffee zu trinken. Der Muntermacher wurde wohl besonders geschätzt!

    Quellen:

    1. Hasler-Gehrer, Simone et al.: Does Coffee Intake Reduce Postoperative Ileus After Laparoscopic Elective Colorectal Surgery? Diseases of the Colon & Rectum: April 15, 2019 doi: 10.1097/DCR.0000000000001405

    2. Dulskas, A. et al.: Effect of Coffee on the Length of Postoperative Ileus After Elective Laparoscopic Left-Sided Colectomy: A Randomized, Prospective

  • Effekte des Kaffeekonsums auf den Glukose-Stoffwechsel

    Epidemiologische Studien weisen auf eine inverse Assoziation des Kaffeekonsums mit dem Risiko für Typ-2-Diabetes mellitus hin. Klinische Studien, die mögliche zugrundeliegende Effekte des Kaffeekonsums auf die Biomarker des Glukosestoffwechsels untersuchten, kamen bisher jedoch zu uneinheitlichen Ergebnissen.

    Ziel einer systematischen Übersichtsarbeit brasilianischer Forscher war es daher, die Auswirkungen des Kaffeekonsums auf den Glukosestoffwechsel zu bestimmen.

    Dazu wurden in elektronischen Datenbanken Studien gesucht, welche die Effekte von Kaffeekonsum auf Biomarker des Glukosestoffwechsels (zum Beispiel Blutzuckerwerte, Insulinwert, Insulinresistenz bzw. Insulinsensitivität) zum Thema hatten. Acht Studien mit insgesamt 247 Probanden flossen schließlich in die Analyse ein. Dabei wurden die Daten aus jenen Studien, die nur den kurzfristigen Effekt untersuchten (Messungen bis zu 3 Stunden nach einmaligem Kaffeekonsum) und jenen Studien, die längerfristige Effekte suchten (Messungen bei 2- bis 16-wöchigem täglichem Kaffeekonsum) getrennt ausgewertet.

    Die Ergebnisse zeigen, dass der Konsum von koffeinhaltigem Kaffee kurzfristig die Area under the curve (AUC) für den Blutzuckerspiegel vergrößern kann, während langfristiger Konsum die AUC verringert und die Insulin-Reaktion erhöht.

    Die Ergebnisse legen somit nahe, dass der Konsum von koffeinhaltigem Kaffee zwar zu ungünstigen akuten Auswirkungen führen könnte, längerfristig jedoch den Glukosestoffwechsel verbessern kann. Entkoffeinierter Kaffee hatte keinen Einfluss auf Parameter des Glukose-Stoffwechsels.

    Area under the curve (AUC)

    Area under the curve, zu Deutsch "Fläche unter der Kurve", ist ein Fachbegriff aus der Pharmakokinetik.

    Er bezeichnet die Fläche unter der Konzentrations-Zeit-Kurve z. B. eines verabreichten Stoffes (z. B. eines Pharmakons, oder wie hier: Glukose) im Blut. Sie ist die Größe, durch welche die Bioverfügbarkeit eines verabreichten Stoffes ausgedrückt wird.

    Man misst dazu die Konzentration der Substanz in bestimmten Zeitintervallen im Blut nach Verabreichung. Für eine oral verabreichte Substanz hat die aus der Messung resultierende Konzentrations-Zeit-Kurve einen typischen Verlauf, der sich aus der Geschwindigkeit des Übergangs der Substanz in den Blutkreislauf und aus der Kinetik des Ausscheidens zusammensetzt.

    Quelle:

    Caio E.G. Reis, Jose G. Dorea, Teresa H.M. da Costa: Effects of coffee consumption on glucose metabolism: A systematic review of clinical trials; Journal of Traditional and Complementary Medicine 9 (2019) 184e191

  • Aromatischer Lerneffekt: Darum mögen wir es bitter

    Manche Zeitgenossen mögen Getränke mit einer bitteren Geschmacksnote wie Kaffee oder Bier, andere eher süße Limonade und Saft. Warum das so ist, haben Forscher untersucht.

    Eine Studie aus dem vergangenen Jahr zeigte: Ob wir passionierte Kaffeetrinker sind oder nicht, liegt unter anderem an einem Lerneffekt. Hintergrund: Eine Genvariante beeinflusst, wie intensiv wir den bitteren Geschmack des Koffeins wahrnehmen. Man würde erwarten, dass Menschen, die „bitter“ besonders stark wahrnehmen, eher zu süßeren Getränken greifen. Doch das Gegenteil ist der Fall. Wer Koffein als besonders bitter empfindet, trinkt tendenziell mehr Kaffee.

    Für diese Beobachtung haben die Forscher eine interessante Erklärung: Jene, die viel Kaffee trinken, hätten gelernt, dass „bitter“ etwas Gutes bedeute – z. B. wacher zu werden, eine Pause zu machen oder auch den Genuss des aromatischen Getränks insgesamt zu genießen. Es handle sich also um eine Konditionierung.

    Nun hat sich eine neue Studie dem Thema gewidmet, deren Ergebnisse in eine ähnliche Richtung weisen. Wer liebend gerne Kaffee trinkt, weist demnach Genvarianten auf, die mit den psychoaktiven Effekten und der Verstoffwechselung von Koffein in Verbindung stehen. Menschen würden die Gefühle mögen, die Kaffee ihnen beschert, schlussfolgern die Forscherinnen. Das sei mit ein Grund, weshalb sie Kaffee tränken.

    Quellen:

    1. Jue-Sheng Ong et al.: Understanding the role of bitter taste perception in coffee, tea and alcohol consumption through Mendelian randomization; Scientific Reports 8, Article number: 16414 (2018)
    2. Zhong, V.W. et al.: A genome-wide association study of bitter and sweet beverage consumption; Hum Mol Genet. doi: 10.1093/hmg/ddz061 (2019)
  • Neurodegenerative Erkrankungen: Entkoffeinierter Kaffee tut‘ s auch

    Wird Kaffee wissenschaftlich untersucht, so wird der Fokus häufig auf die Wirkungen von Koffein auf den menschlichen Körper gesetzt. Auch wenn es um mögliche positive Effekte des Getränks auf neurodegenerative Erkrankungen geht, steht die Rolle von Koffein im Vordergrund.

    Dabei gibt es eine Vielzahl anderer Inhaltsstoffe, die ebenfalls Beachtung verdienen, wie beispielsweise Polyphenole (hauptsächlich als Säuren, wie Chlorogen-, Kaffee- und Ferulasäure), Chinasäure und Quercetin. Sie finden sich auch in entkoffeiniertem Kaffee.

    Wie wirken sich diese weniger beachteten Kaffeeinhaltsstoffe bzw. entkoffeinierter Kaffee auf neurologische Prozesse und Erkrankungen wie Gedächtnisstörungen, Parkinson, neuropathische Schmerzen und Schlaganfall aus?

    Zwei Forscherinnen der Universität Pavia/Italien gingen dieser Frage nach, sichteten die Literatur zu dem Thema und stellten sie in einem Review vor.

    Für die Wissenschaftlerinnen gibt es Hinweise darauf, dass Chlorogensäuren und Kaffeesäure ebenso positive Effekte auf das Nervensystem zeigen könnten wie Koffein. Auch Ferulasäure könnte das Nervensystem schützen. Sie wirke nicht nur antioxidativ, antiinflammatorisch und neurotroph, sondern schütze auch vor der toxischen Wirkung von Amyloid, so die Expertinnen. Ähnliche Effekte zeige Quercetin.

    Insgesamt zeige die vorhandene Literatur, dass entkoffeinierter Kaffee ebenso effektiv in Bezug auf neurodegenerative Erkrankungen sein könnte wie koffeinhaltiger Kaffee, so das Resümee.

    Quelle:

    Raffaella Colombo & Adele Papetti: An outlook on the role of decaffeinated coffee in neurodegenerative diseases, Critical Reviews in Food Science and Nutrition, 2019 DOI: 10.1080/10408398.2018.1550384

  • Welchen Kaffee trinkst du?

    Kaffee ist nicht gleich Kaffee. Was genau sich in einer Tasse des beliebten Heißgetränks befindet, hängt von verschiedenen Faktoren ab: von der Bohnensorte, vom Anbaugebiet, der Aufbereitungsart, der Art des Röstens und natürlich von der Art und Weise, wie das Getränk schließlich zubereitet wurde – Experten sprechen von der „Extraktionsmethode“.

    Mit der zunehmenden Beliebtheit des Bohnentranks haben sich in den vergangenen Jahren verschiedenste Zubereitungsarten etabliert. Italienische Forscher haben nun unterschiedlichste Extraktionsmethoden unter chemisch-physikalischen Gesichtspunkten untersucht und dabei immer das gleiche Ausgangsmaterial genutzt.

    Verglichen wurden drei verschiedene Zubereitungsarten von Espresso, Filterkaffee, Mokka, French Press, Cold Brew und Aeropress-Kaffee.

    Es zeigte sich, dass alle drei Espressoarten den höchsten Gehalt an Koffein und Chlorogensäuren enthielt, u. z. drei- bis sechsmal mehr als Mokka und Filterkaffee. Die klassische Espressomethode erwies sich dabei als effektivste Art, das Koffein zu extrahieren.

    Allerdings muss bedacht werden, dass Espresso meist nur in kleinen Mengen getrunken wird, und so erstaunt es nicht, dass die Forscher in einer (großen) Tasse Cold Brew mehr Koffein und Chlorogensäuren fanden, als in einer (kleinen) Tasse Espresso.

    Die Forscher schlussfolgern daraus, dass es nicht möglich sei festzulegen, wie viele Tassen Kaffee jemand täglich zu sich nehmen dürfe, wenn nicht die Zubereitungsart und die Menge des genossenen Getränks mitbedacht würden.

    Quelle:

    Giulia Angelonia et al.: What kind of coffee do you drink? An investigation on effects of eight different extraction methods; Food Research International 116 (2019) 1327–1335

  • Mehr schützende Gewebshormone durch Kaffeekonsum

    Iranische Forscher haben in einem Review die Beziehung zwischen dem Konsum von Kaffee bzw. Grünem Tee und den Adiponektin- und Leptinspiegeln untersucht. Im Ergebnis zeigte sich: Der positive Einfluss von Kaffee auf den Adiponektinspiegel konnte untermauert werden, im Hinblick auf Grünen Tee waren die Ergebnisse widersprüchlich.

    Eine viel geringere Anzahl der für das Review gesichteten Studien widmete sich möglichen Zusammenhängen zwischen den beiden Heißgetränken und dem Einfluss auf den Leptinspiegel, zudem waren die Ergebnisse in Bezug auf Leptin insgesamt kontroverser.

    Die Forscher regen weitere Studien zum Thema an. Denn unter anderem sei es noch nicht klar, welche Kaffeemengen nötig seien, um den Adiponektinspiegel zu erhöhen, und der zugrundeliegende Mechanismus sei bisher noch nicht bekannt.

    Untersuchungen in den vergangenen Jahren haben immer wieder gezeigt, dass sowohl der Konsum von Kaffee als auch der von Grünem Tee mit einem geringeren Risiko für Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden ist. Beide Getränke haben eine positive Auswirkung auf den Spiegel von Adiponektin und Leptin, zwei Gewebshormone, die letztlich schützend im Hinblick auf Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen wirken können.

    HINTERGRUND

    Adiponektin ist ein Adipozytokin, das in den Fettzellen des Körpers produziert wird. Es stimuliert die Fettsäureoxidation und erhöht die Empfindlichkeit der Zielgewebe (Fett- und Lebergewebe, Skelettmuskeln) auf Insulin. Ferner werden gefäßschützende und antiinflammatorische Effekte beschrieben. Eine kurzfristige Erhöhung des Insulinspiegels führt zu einer vermehrten Freisetzung von Adiponectin, chronisch erhöhte Insulinspiegel vermindern den Serumspiegel. In klinischen Studien konnten niedrige Adiponectin-Spiegel mit der Entwicklung eines Typ-2-Diabetes korreliert werden. Hohe Plasma-Adiponektinspiegel sind mit einem niedrigen Diabetes-Risiko verbunden.

    Auch Leptin ist ein Adipozytokin, das in den Fettzellen des Körpers produziert wird. Das Peptidhormon ist an der Steuerung von Hunger- und Sättigungsgefühl beteiligt.

    Quelle:

    Izadi V, Larijani B, Azadbakht L.: Is coffee and green tea consumption related to serum levels of adiponectin and leptin? Int J Prev Med 2018;9:106.

  • Wie stoppt Kaffee Parkinson?

    Studien zeigen immer wieder, dass der regelmäßige Genuss von Kaffee das Risiko senkt, an Parkinson zu erkranken. Über den Grund dafür sind sich die Forscher noch nicht einig.

    Je mehr Kaffee getrunken wird, desto kleiner ist laut Langzeitstudien offenbar das Parkinson-Risiko. Die meisten Forscher, die sich auf die Suche nach der Ursache des schützenden Effektes machten, kamen zu dem Schluss, dass Koffein dabei die Hauptrolle spielt.

    Nun zweifelt ein Team um die amerikanische Neurologin Maria Maral Mouradian dies an. Die Wissenschaftler hatten Nager mit einer parkinsonähnlichen Erkrankung untersucht. Sie konnten zeigen, dass sich die positive Wirkung nur im Zusammenspiel mit dem ebenfalls im Kaffee in geringen Mengen vorhandenen Molekül Eicosanoyl-5-Hydroxytryptamide (EHT) entfaltet. Nur Koffein und EHT zusammen verhinderten das gehäufte Auftreten der Lewy-Körper im Gehirn der Versuchstiere (siehe „Hintergrund“).
    EHT stammt aus der Wachsschicht der Kaffeebohnen. Das Heißgetränk enthält je nach Zubereitungsmethode und Röstverfahren mehr oder weniger EHT.

    HINTERGRUND

    Besonders charakteristisch für die Parkinsonkrankheit ist die pathologische Ansammlung von Aggregaten des alpha-Synuklein-Proteins (?-Synuklein) in Nervenzellen im Gehirn. Diese als Lewy-Körperchen bezeichneten Ablagerungen gehen aus kleineren Vorstufen, den a-Synuklein-Oligomeren, hervor, die stark toxisch auf Nervenzellen wirken. Lewy-Körperchen finden sich in Dopamin-produzierenden Nervenzellen jener Gehirnregion, die für motorische Fähigkeiten zuständig ist, sowie in Hirnregionen, die mit dem Erinnerungsvermögen in Verbindung stehen. Daher wird ein Zusammenhang zwischen der Aggregat-Bildung und den in späteren Krankheitsstadien häufiger auftretenden kognitiven Defiziten bzw. Demenzen bei an Parkinson Erkrankten vermutet. Koffein bzw. möglicherweise nur Koffein plus EHT können zwar nicht die Bildung der ?-Synuklein-Oligomere verhindern, wohl aber deren „Verklebung“ und damit der Bildung schädlicher Proteinklumpen, der Lewy-Körperchen.

    Quelle:

    Run Yan et al.: Synergistic neuroprotection by coffee components eicosanoyl-5-hydroxytryptamide and caffeine in models of Parkinson's disease and DLB; PNAS December, 2018 115 (51) E12053-E12062; https://doi.org/10.1073/pnas.1813365115

  • Positiver Einfluss von Kaffee auf krankhafte Hautrötung?

    Eine Rosazea ist eine nicht ansteckende chronische Hauterkrankung, die vorwiegend im Gesicht auftritt. Alle Einflüsse, die die Blutgefäße der Haut erweitern und damit zu einer verstärkten Hautdurchblutung führen, gelten als mögliche Trigger der Rosazea. Dazu gehören neben Sonneneinstrahlung, scharfen Speisen und Alkohol auch heiße Getränke.

    Bei Kaffee könnte das allerdings genau anders herum sein: Möglicherweise senkt der Genuss des beliebten Heißgetränkes das Risiko für die krankhaften Hautrötungen. Darauf weist jedenfalls eine Ende 2018 erschienene Studie hin, für die Daten der Nurses' Health Study II analysiert worden waren.

    Mehr als 80.000 Krankenschwestern waren 2005 im Rahmen der prospektiven Kohortenstudie u. a. gefragt worden, ob bei ihnen jemals die Diagnose einer Rosazea gestellt wurde. Dies bejahten annähernd 5.000 Teilnehmerinnen.

    Amerikanische Forscher setzen nun die Diagnose zum Kaffeekonsum der Teilnehmerinnen in Beziehung. Dabei stellte sich heraus, dass Krankenschwestern, die vier oder mehr Tassen Kaffee am Tag tranken, seltener unter einer Rosazea litten als diejenigen, die nur sehr wenig oder keinen Kaffee tranken. Das Hazard Ratio betrug bei den Vieltrinkerinnen lediglich 0,77. Dieser positive Zusammenhang zeigte sich allerdings nur bei dem Konsum koffeinhaltigen Kaffees.

    Die Frage, ob der Assoziation eine Kausalität zugrunde liegt, konnten die Forscher mit ihrer Arbeit nicht beantworten. Doch stellten sie Überlegungen zu möglichen Wirkmechanismen an. So sei es denkbar, dass die gefäßverengende Wirkung des Koffeins die Entzündung in der Haut mindern könnte.

    Was ist eine Rosazea?

    Die Rosazea, auch als Gesichtsröte oder Couperose bezeichnet, ist eine häufige Hauterkrankungen bei Erwachsenen, die sehr belastend sein kann. Sie beginnt meist im mittleren Lebensalter und zeigt sich zunächst als vorübergehende, später als dauerhafte Hautrötung, nicht selten in Kombination mit Papeln und Pusteln. Durch Bindegewebs- und Talgdrüsenvergrößerungen kann es, vor allem bei Männern, zu Hautverdickungen kommen.

    Quellen

    1. Li, S. et al.: Association of Caffeine Intake and Caffeinated Coffee Consumption With Risk of Incident Rosacea in Women; JAMA Dermatol. 2018;154(12):1394-1400. doi:10.1001/jamadermatol.2018.3301
    2. Deutsches Ärzteblatt online von 22.10.2018: Kaffee könnte vor Rosazea schützen