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Kaffee ist weltweit eines der beliebtesten Getränke. So ist es kaum verwunderlich, dass Kaffee zu den am besten erforschten Lebensmitteln gehört. Jährlich werden einige Hundert neue wissenschaftliche Studien veröffentlicht, die sich mit den Wirkungen von Kaffee auf die Gesundheit auseinandersetzen. Einige interessante Studien stellen wir Ihnen vor.

  • Geistig fitter durch Kaffee?

    Kaffee ist reich an Verbindungen, die die Gehirnaktivität stimulieren können: Polyphenole, Koffein, Diterpene, Melanoidine und Trigonelline. Ein möglicher Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum und geistiger Leistungsfähigkeit ist daher von erheblichem Forschungsinteresse. Wissenschaftler aus Spanien berichteten kürzlich über eine Studie, in der sie den Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum bzw. Gesamtkoffeinzufuhr über die Nahrung und kognitiven Funktionen älterer übergewichtiger oder fettleibiger Erwachsener mit metabolischem Syndrom (MetS) untersuchten.

    Beim metabolischen Syndrom treten starkes Übergewicht, Bluthochdruck und gestörter Zucker- und Fettstoffwechsel meist gemeinsam auf. Es wird vermutet, dass Personen mit MetS auch ein höheres Risiko haben, neurologische Veränderungen zu entwickeln, die zur Alzheimer-Erkrankung oder anderen Arten von Demenz führen können.

    An der Studie nahmen 6.427 Personen mit einem Durchschnittsalter von 65 ± 5 Jahren teil, die das metabolische Syndrom aufwiesen. Zu Studienbeginn wurden alle Teilnehmer von Ernährungswissenschaftlern mit einem 143 Punkte umfassenden Fragenkatalog über ihren Kaffeekonsum - koffeinhaltig oder entkoffeiniert – sowie über die Zufuhr von anderen koffeinhaltigen Getränken, Tee oder auch Schokolade mündlich befragt.

    Die geistige Leistungsfähigkeit wurde über verschiedene Tests ermittelt. Das Mini-Mental State Examination (MMSE) prüft Orientierung, Erkennen, Konzentration, Gedächtnis, Sprache und das Kopieren einer Abbildung. Mit neuropsychologischen Tests wurden sprachliche Leistungen wie Rezitationsfähigkeit, das Wiederholen von aufgelisteten Wörtern in Hinwärts- und Rückwärtsreihenfolge und das Zeichnen eines Uhrenziffernblatts geprüft. Es wurde auch die Fähigkeit, eine Aufgabe schnell auszuführen, getestet, z. B. in 60 Sekunden möglichst viele Wörter, die mit den Buchstaben P beginnen, aufzulisten.

    Ergebnisse der Studie

    Teilnehmer, die koffeinhaltigen oder entkoffeinierten Kaffee zu sich nahmen, hatten insgesamt eine bessere kognitive Leistungsfähigkeit in allen Tests als die Nichtkonsumenten. Studienteilnehmer mit höherer Gesamtkoffein-Aufnahme hatten eine geringere Wahrscheinlichkeit, in den Tests schlechter abzuschneiden als diejenigen, die weniger Koffein zu sich nahmen. Diese Ergebnisse verstärken die Hypothese, dass es sich um die synergistische Wirkung von Polyphenolen, Koffein und anderen Kaffeeverbindungen handelt, dass die Kaffeeinhaltsstoffe insgesamt und nicht nur Koffein allein gegen kognitive Beeinträchtigung schützen könnten.

    Diese Ergebnisse unterstützen aber auch die bislang publizierten Daten aus anderen Studien, die zeigten, dass Koffein die geistige Leistung kurzfristig steigert und langfristig das Risiko, eine Demenz- oder Alzheimer-Erkrankung zu entwickeln, verringern könnte.

    Um die Wirkweise von Kaffee und Koffein auf die kognitive Leistungsfähigkeit zu entschlüsseln, sind weitere Studien erforderlich. Wenn die beobachteten Trends der vor Demenz schützenden Wirkung von Kaffee in der Zukunft verstanden und bestätigt werden, könnte eine Ernährungsempfehlung für Kaffeekonsum und Koffeinaufnahme ein Teil der Strategien werden, um dem Rückgang der geistigen Leistung entgegenzuwirken.

    Quelle:

    Indira Paz-Graniel et al.: Association between coffee consumption and total dietary caffeine intake with cognitive functioning: cross-sectional assessment in an elderly Mediterranean population. European Journal of Nutrition, October 2020. doi.org/10.1007/s00394-020-02415-w

  • Mit Koffein gegen Krebs?

    Schon mehrere Studien haben über die mögliche krebshemmende Wirkung von Koffein berichtet. Koffein könnte den Apoptoseprozess induzieren, der ein kontrollierter „Selbstmord“ der Zelle ist, und auch die Zellteilung bei verschiedenen Arten von Krebs, wie Hautkrebs und Neuroblastom (ein bösartiger Tumor des sog. sympathischen Nervensystem) hemmen.

    Aktuelle epidemiologische Studien zeigen auch in diese Richtung, es wird eine umgekehrte Beziehung zwischen Mundhöhlenkrebs und Tee- sowie Kaffeekonsum beobachtet.  Forscher vermuten, dass Koffein diesen Effekt bewirkt. Über welchen molekularen Mechanismen jedoch Koffein die Krebszellen beeinflussen könnte, ist noch nicht aufgeklärt.

    Der häufigste Mundhöhlenkrebs ist das Plattenepithelkarzinom und die Kopf-Hals-Plattenepithelkarzinome sind weltweit die sechshäufigste Krebserkrankung. Iranische Forscher haben in einer neuen Studie untersucht, wie Koffein auf Plattenepithelkrebszellen der Speiseröhre (Ösophagus) und von Kopf-Hals-Tumoren wirkt. Sie haben die Wirkung verschiedener Koffeinmengen auf menschliche Krebszellen in der Zellkultur getestet. Dafür haben sie zwei Krebszellkultur-Linien verwendet: Die Zellen der KYSE-30-Linie stammen aus Ösophagus-Plattenepithelkarzinom ab, und die HN5-Zelllinie leitet sich von Kopf-Hals-Tumoren ab. Die Lebensfähigkeit der Zellen wurde anhand der Mitochondrien-Aktivität (Mitochondrien sind die „Kraftwerke“ der Zellen) als Marker für Zellstoffwechsel und die Zellteilungsrate bestimmt. Die Krebszellen wurden in der Zellkultur mit Koffein inkubiert, die Auswertung erfolgte nach drei und sieben Tagen. 

    Die Wirkung von Koffein in Krebszellen zeigte sich abhängig von Inkubationsdauer und Konzentration. Koffein hemmte die Zellteilung und Lebensfähigkeit in beiden Krebszelllinien, insbesondere bei Konzentrationen höher als 1 Millimol (mmol). Höheren Konzentrationen von Koffein (20, 50 und 70 mmol) hatten signifikant mehr hemmende Wirkung im Vergleich zu niedrigen Konzentrationen (0.5, 1, 5 und 10 mmol).

    Diese Ergebnisse stehen im Einklang mit Ergebnissen anderer Forscher, die eine ähnliche Wirkung von Koffein auf andere Krebszelltypen zeigten.

    Eine mögliche krebshemmende Wirkung von Koffein und sein eventueller Einsatz für Therapie-Anwendungen ist ein sehr spannendes Forschungsfeld. Zukünftige Forschungsarbeiten und Studien müssen folgen, um die Wirkungen von Koffein auf Krebszellen genau aufzuzeigen.

    Quelle:

    Arghavan Tonkaboni, Nasrin Lotfibakhshaiesh, Pariya Danesh, Roksana Tajerian & Heliya Ziaei (2020): Evaluation of Inhibitory Effects of Caffeine on Human Carcinoma Cells, Nutrition and Cancer, DOI: 10.1080/01635581.2020.1819344

  • Schützt Kaffeekonsum vor Fettleber?

    Die nicht-alkoholinduzierte Fettlebererkrankung (NAFLD, non-alcoholic fatty liver disease) ist eine weit verbreitete chronische Lebererkrankung. Es wird als multifaktorielle Störung angesehen, die zu Leberfibrose führen kann und ein weltweites Problem der öffentlichen Gesundheit darstellt.

    Frühere Studien deuteten bereits an, dass Kaffeekonsum eine mögliche schützende Wirkung gegen NAFLD und Leberfibrose haben könnte, die Studienergebnisse waren jedoch inkonsistent.

    Vor diesem Hintergrund haben amerikanische Wissenschaftler die Ergebnisse aus elf epidemiologischen Studien einer systematischen Analyse unterzogen. Ihre kürzlich publizierte Arbeit umfasst zwei Metaanalysen.

    Die erste Metaanalyse untersucht die Wirkung von Kaffee auf die Entwicklung von einer nicht-alkoholinduzierten Fettlebererkrankung bei denen, die Kaffee tranken oder nicht tranken. In diese Analyse waren 71.787 Teilnehmer zwischen 20 und 70 Jahren involviert. Die Probanden wurden in einem Fragebogen über ihren Kaffeekonsum befragt. Die zweite Metaanalyse vergleicht das Risiko einer Leberfibrose-Entwicklung bei NAFLD-Patienten die Kaffee konsumierten oder nicht. Hier nahmen 1.338 Probanden zwischen 20 und 70 Jahren teil, bei denen bereits eine nicht-alkoholinduzierte Lebererkrankung diagnostiziert war.

    Ergebnisse der beiden Analysen zeigen Folgendes:

    Das NAFLD-Risiko war bei den Kaffeetrinkern im Vergleich zu denen, die keinen Kaffee konsumieren, signifikant niedriger. Darüber hinaus fanden die Forscher auch ein signifikant reduziertes Risiko für Leberfibrose bei den NAFLD-Patienten, die Kaffee tranken im Vergleich zu diejenigen, die keinen Kaffee konsumierten.

    Die Autoren diskutieren die Gründe für die möglichen leberschützenden Effekte. Inhaltsstoffe vom Kaffee, wie z. B. Koffein, Chlorogensäuren, Kalium, Niacin (Vitamin B3), Diterpene sowie die Kaffeeöle Cahweol und Cafestol könnten antioxidative, antientzündliche und antifibrose Effekte vermitteln.

    Die Schlussfolgerung der Wissenschaftler ist, dass regelmäßiger Kaffeekonsum mit einer deutlichen Risikoverminderung einer NAFLD verbunden ist. Es ist bei bereits diagnostizierten NAFLD-Patienten auch signifikant mit einem verringerten Risiko für die Entwicklung einer Leberfibrose verbunden.

    Ob Kaffeekonsum als vorbeugende Maßnahme für NAFLD und Leberfibrose angesehen werden könnte, muss in weiteren epidemiologischen Studien untersucht werden.

    Quelle:

    Umar Hayat, Ali A. Siddiqui, Hayrettin Okut, Saba Afroz, Syed Tasleem, Ahmed Haris, The effect of coffee consumption on the non-alcoholic fatty liver disease and liver fibrosis: a meta-analysis of eleven epidemiological studies, Annals of Hepatology (2020), doi: doi.org/10.1016/j.aohep.2020.08.071

  • Kaffee und Diabetes Typ 2

    Diabetes ist ein weltweites Gesundheitsproblem, weswegen auch intensiv über die Entstehung dieser Krankheit geforscht wird. Bei Diabetes kann der Körper entweder kein oder zu wenig Insulin produzieren oder ist nicht fähig, auf Insulin zu reagieren. Als Folge erhöht sich der Blutzuckerspiegel, und der Kohlenhydrat-Stoffwechsel verändert sich. In Europa leiden etwa 59 Millionen Menschen an Diabetes, in der Altersgruppe der 20- bis 79-Jährigen sind 8,9 Prozent davon betroffen.

    Es gibt zwei Haupttypen von Diabetes: Typ 1 entsteht im Wesentlichen aus genetischen Gründen und ist eine Autoimmunerkrankung, die Entwicklung von Diabetes Typ 2 wird hauptsächlich durch Ernährungs- und Lebensweise beeinflusst.  Dies ist die häufigere Form, macht etwa 90 Prozent der weltweiten Diabetesfälle aus. Diabetes Typ 1 zeigt sich meist bereits im Kindesalter, Typ 2 typischerweise bei Erwachsenen, wobei es zunehmend auch bei Kindern und Heranwachsenden diagnostiziert wird.

    Die Forschung zeigt, dass moderater Kaffeekonsum, 3 bis 4 T­assen täglich, statistisch signifikant mit einem niedrigeren Risiko an Diabetes Typ 2 zu erkranken assoziiert ist. Interessant ist die Tatsache, dass entkoffeinierter Kaffee ebenfalls diesen Bezug zeigt.

    Der Konsum von 3 bis 4 Tassen Kaffee täglich wird von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit als moderat und sicher betreffs Koffeinmenge eingestuft.

    Zusammenfassend deuten epidemiologische Studien Folgendes an: Der tägliche Konsum von 3 bis 4 Tassen Kaffee ist verbunden mit einem etwa 25 Prozent niedrigerem Risiko an Diabetes Typ 2 zu erkranken im Vergleich zu keinem oder weniger als 2 Tassen. Das Verhältnis von Kaffeekonsum und Diabetes Typ 2 scheint spezifisch und dosisabhängig zu sein.

    Folgende große Analysen lieferten dazu wesentliche Daten:

    Eine Kohortenstudie aus 2002 von 17.111 Personen in den Niederlanden legte einen Bezug zwischen Kaffeekonsum und niedrigerem Risiko für Diabetes Typ 2 nahe.

    Eine systematische Übersichtsarbeit aus 2009 mit einer Meta-Analyse der Daten von 457.922 Personen und 21.897 neu diagnostiziertem Diabetes Typ 2 aus acht Länder zeigte eine statistisch signifikante umgekehrte Korrelation zwischen Kaffeekonsum und Risiko für Typ-2-Diabetes.

    Eine Meta-Analyse aus 2018 mit 1.185.210 Teilnehmern und 53.018 Diabetes Typ 2-Fällen deutete an, dass Personen mit dem höchsten Kaffeekonsum (durchschnittlich 5 Tassen am Tag) ein etwa 29 Prozent niedrigeres Risiko haben, an Diabetes Typ 2 zu erkranken im Vergleich zu denen, die keinen Kaffee tranken.

    Die Forschung diskutiert mehrere mögliche Mechanismen als Erklärung für den Bezug zwischen Kaffeekonsum und verringertem Risiko für die Entwicklung von Diabetes Typ 2. Da auch entkoffeinierter Kaffee einen umgekehrten Bezug auf die Entwicklung von Diabetes Typ 2 zeigt, vermuten die Forscher, dass Koffein keine große Rolle dabei spielt. Kaffee hat aber auch zahlreiche andere Inhaltsstoffe wie die Polyphenole, zu denen auch die Chlorogensäuren gehören. Diese Substanzen könnten möglicherweise einen Effekt auf den Glukosemetabolismus und dadurch auf die Entwicklung von Diabetes Typ 2 haben, dies deuten erste analytische Studien und klinische Versuche an. Auf diesem Gebiet ist noch weitere Forschung nötig, um über die Rolle der Chlorogensäuren im Glukosestoffwechsel Klarheit zu bringen. Auch welche mögliche Rolle Antioxidantien im Kaffee bei der Reduktion von oxidativem Stress und der Entwicklung von Diabetes Typ 2 spielen, muss weiter erforscht werden.

    Quellen:

    1. International Diabetes Federation. IDF Diabetes Atlas, 9th edn. Brussels, Belgium:
      International Diabetes Federation, 2019.
      idf.org/aboutdiabetes/what-is-diabetes.html 

    2. Van Dam R.M. et al. (2002) Coffee consumption and risk of type 2 diabetes mellitus. Lancet, 360:1477-1478.

    3. Huxley R. et al. (2009) Coffee, Decaffeinated Coffee, and Tea Consumption in Relation to Incident Type 2 Diabetes Mellitus. Arch Int Med, 169:2053-2063.

    4. Carlstrom M. and Larsson S.C. (2018) Coffee consumption and reduced risk of developing type 2 diabetes: a systematic review with meta-analysis. Nutr Revs, 76(6):395-417.

    5. EFSA Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies (NDA) (2015) Scientific Opinion on the safety of caffeine. EFSA Journal, 13(5):4102.

    6. Jiang X. et al. (2014) Coffee and caffeine intake and incidence of type 2 diabetes mellitus: a meta-analysis of prospective studies. EJCN, 53(1):25-38.

    7. Ding M. et al. (2014) Caffeinated and decaffeinated coffee consumption and risk of type 2 diabetes: A systematic review and dose response meta-analysis. Diab Care, 37(2):569-586.

    8. Bhupathiraju S.N. et al. (2013) Caffeinated and caffeine free beverages and risk of type-2 diabetes. AJCN, 97(1):155-166.

    9. Lee A.H. et al. (2016) Plasma concentrations of coffee polyphenols and plasma biomarkers of diabetes risk in healthy Japanese women. Nutr Diab, 6:e212.

    10. Cao H. et al. (2018) Dietary polyphenols and type 2 diabetes: Human study and clinical trials. Crit Rev Food Sci Nutr, 11:1-19.

    11. Bassoli B.K. et al. (2008) Chlorogenic acid reduces the plasma glucose peak in the oral glucose tolerance test: effects on hepatic glucose release and glycaemia. Cell Biochem Funct; 26: 320–3 .


  • Kaffeekonsum könnte helfen, Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu reduzieren

    Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind weltweit eine der häufigsten Todesursachen. Die Risikofaktoren hierfür sind vielfältig: Übergewicht, Bluthochdruck, Diabetes, ungesunde Ernährung, Rauchen, Bewegungsmangel. So entsteht Arteriosklerose, eine Erkrankung der Arterien, bei der Blutfette wie Cholesterin, Bindegewebe und Kalk an den Gefäßwänden abgelagert werden. Als Folge können Durchblutungsstörungen, Herzinfarkt oder Schlaganfall entstehen.

    Oxidativer Stress und Entzündung spielen bei der Entwicklung von Arteriosklerose eine wesentliche Rolle. Sie führen zur Bildung von oxidierten, mehrfach ungesättigten Blutfettsäuren, sogenannten Oxylipinen.  Die Erhöhung der Oxylipinwerte kann als Biomarker für Herz-Kreislauf-Erkrankungen gelten.

    Das Risiko, solche Erkrankungen zu entwickeln, wird von der Ernährung direkt beeinflusst. So können sekundäre Pflanzenstoffe und Antioxidantien aus der Nahrung den oxidativen Stress verringern. Auch Inhaltsstoffe von Kaffee, wie die Chlorogensäuren, können als Antioxidantien und entzündungshemmend wirken.

    Eine Forschergruppe aus Kolumbien untersuchte vor diesem Hintergrund die Wirkung von Kaffeekonsum auf die Regulation von Oxylipinen. In Anbetracht der entzündungshemmenden und antioxidativen Eigenschaften von Chlorogensäuren (CGAs) haben die Wissenschaftler die Wirkungen von zwei Kaffeetypen - A und B - bei gesunden Probanden getestet. Kaffee A enthielt 787 mg und Kaffee B 407 mg CGAs. Die Probanden haben acht Wochen lang täglich einmal entweder Kaffee A oder Kaffee B zu sich genommen. Anschließend wurde im Urin der Gehalt von 35 ausgewählten Oxylipinen gemessen.

    Nach acht Wochen Kaffeekonsum wurde der Gehalt von 12 Oxylipinen im Urin reduziert. Kaffee A zeigte einen stärkeren Effekt, wahrscheinlich aufgrund seines höheren Gehalts an CGAs. Darüber hinaus haben die Forscher die Wirkung von Kaffee-Phenolsäuren und CGAs auch auf der zellulären Ebene untersucht. Hierbei haben sie festgestellt, dass Chlorogensäuren und Phenolsäuren aus Kaffee den Schlüsselprozess in der Entwicklung von Arteriosklerose - die Umwandlung von Makrophagen zu Schaumzellen - in vitro (im Reagenzglas) hemmen können.

    Zusammenfassend zeigen die Ergebnisse der klinischen Studie, dass ein achtwöchiger Kaffeekonsum den Gehalt an bestimmten Oxylipinen, die bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen vermehrt gebildet werden, reduzieren kann. Die in vitro Tests lassen vermuten, dass Kaffeekonsum vor der Bildung von Oxylipinen schützen könnte, die durch Entzündung und oxidativen Stress entstehen. Die Wissenschaftler deuten deswegen an, dass Kaffeetrinken dabei helfen könnte, die Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu reduzieren. Weitere Untersuchungen dazu sind aber noch notwendig.

    Quelle:

    O.J. Lara-Guzmán, S. Medina, R. Álvarez, C. Oger, T. Durand, J.-M. Galano, N. Zuluaga, Á. Gil-Izquierdo, K. Muñoz-Durango, Oxylipin regulation by phenolic compounds from coffee beverage: positive outcomes from a randomized controlled trial in healthy adults and macrophage derived foam cells, Free Radical Biology and Medicine, doi.org/10.1016/j.freeradbiomed.2020.07.020.

  • Gesündere Niere durch Kaffeetrinken?

    Jüngste Studien lassen vermuten, dass Kaffeekonsum der Entwicklung einer chronischen Niereninsuffizienz entgegenwirken könnte. Da die Datenlage nicht schlüssig ist, haben Wissenschaftler aus Indien in einer Metaanalyse systematisch alle verfügbaren Forschungsergebnisse überprüft mit dem Ziel, diesen Zusammenhang umfassend zu untersuchen.

    Hintergrundwissen:

    Die chronische Niereninsuffizienz ist eines der weltweit größten Gesundheitsprobleme. Sie verursacht frühzeitiges Sterben, eine verringerte Lebensqualität und im Endstadium der Erkrankung, beim Nierenversagen, kann den Erkrankten nur eine Nierenersatztherapie (Dialyse oder Transplantation) helfen. Bei der chronischen Niereninsuffizienz ist die glomeruläre Filtrationsrate der Nieren (GFR, angegeben als ml/min/1,73 m², Normalwert GFR > 90) verringert und unter 60 ml/min/1,73 m².

    Häufigste Ursachen einer chronischen Niereninsuffizienz sind Diabetes, Bluthochdruck, koronare Herzkrankheit, Gefäßverkalkungen, Übergewicht und Rauchen.

    Die Forscher haben die Daten von insgesamt 25.849 Studienteilnehmer von vier Kohortenstudien analysiert und das Risiko der Entwicklung einer chronischen Niereninsuffizienz zwischen Kaffeetrinkern und Nichtkaffeetrinkern verglichen. Der Kaffeekonsum der Teilnehmer wurde durch einen Fragenkatalog ermittelt. In den vier für die Datenanalyse ausgewählten Kohortenstudien hatten die Teilnehmer mindestens eine Tasse Kaffee am Tag zu sich genommen. Keiner der Studienteilnehmer zeigte zu Beginn der Studie eine verringerte Nierenfunktion. Die Nachuntersuchungen erfolgten jährlich bzw. alle drei Jahre (je nach Studie) über einen Zeitraum von 6,4 bis 24 Jahren, je nach Studie. Die Nierenfunktion wurde über die Messung verschiedener Parameter überprüft, wie die GFR und Kreatininwerte.

    Die Metaanalyse des indischen Forscherteams ergab ein signifikant verringertes Risiko für eine chronische Niereninsuffizienz bei Kaffeetrinkern verglichen mit Nichtkaffeetrinkern.

    Die Wissenschaftler diskutieren über einen möglichen antioxidativen Effekt von Kaffee-Inhaltsstoffen als schützenden Faktor gegen entzündliche Prozesse der Nieren. Koffein und die im Kaffee enthaltenen Chlorogensäuren, Niacin und Quinin haben antioxidative und entzündungshemmende Wirkung, wie in anderen Studien bereits gezeigt wurde. Diese Substanzen könnten, so die Meinung der Forscher, bei gewohnheitsmäßigen Kaffeetrinkern den oxidativen Stress und Entzündungen im Nierengewebe reduzieren und dadurch das Risiko einer Niereninsuffizienz reduzieren.

    Quelle:

    T. Srithongkul, P. Ungprasert: Coffee Consumption is Associated with a Decreased Risk of Incident Chronic Kidney Disease: A Systematic Review and Meta-analysis of Cohort Studies. European Journal of Internal Medicine, Volume 77, Juli 2020, Pages 111-116. doi.org/10.1016/j.ejim.2020.04.018

  • Moderates Kaffeetrinken könnte bei Nichtrauchern das Risiko für Bluthochdruck senken!

    Kaffee ist eines der weltweit am häufigsten konsumierten Getränke, und Kaffeekonsum wird oftmals als eine der Ursachen für Bluthochdruck angesehen. Die Forschungsergebnisse auf diesem Gebiet sind bislang aber nicht eindeutig.

    Ein brasilianisches Forscherteam hat eine Kohortenstudie genau dieser Fragestellung gewidmet und die Ergebnisse kürzlich publiziert. Die Studie umfasste 8.780 Personen im Alter von 35 bis 74 Jahren zu Studienbeginn, die von Universitäten sechs brasilianischer Städte stichprobenweise für die Brasilianische Längsschnittstudie für Erwachsenengesundheit - ELSA-Brasilien ausgesucht wurden.

    Bei Studienbeginn wiesen die Teilnehmer keinen Bluthochdruck auf. Die Auswertung erfolgte nach einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 3,9 Jahren. Der Kaffeekonsum der Teilnehmer wurde zu Studienbeginn mithilfe eines Fragebogens ermittelt. Anschließend wurden die Kaffeekonsum-Daten in vier Kategorien eingeteilt: 1. kein oder fast kein Kaffeekonsum, 2. weniger als eine Tasse pro Tag, 3. 1-3 Tassen täglich und 4. mehr als 3 Tassen täglich.

    Hypertonie wurde definiert als ein systolischer Blutdruck von ? 140 mmHg oder ein diastolischer Blutdruck ? 90 mmHg und / oder die Einnahme eines blutdrucksenkenden Medikamentes. Auch der Effekt von Rauchen in Kombination mit Kaffeekonsum auf die Entwicklung von Bluthochdruck wurde bewertet.

    Die Studie hat folgende Ergebnisse:

    Die meisten Teilnehmer (90%) tranken Kaffee, und der mittlere Kaffeekonsum betrug 150 ml pro Tag. Von 8.780 Teilnehmern entwickelten nach der Beobachtungsphase insgesamt 1.285, also etwa jeder Siebte, Bluthochdruck. Im Vergleich zu Teilnehmern, die nie oder fast nie Kaffee tranken, war das Risiko für Bluthochdruck bei Personen, die 1-3 Tassen täglich konsumierten, geringer. Wurde der Raucherstatus mit in die Analyse einbezogen, zeigte sich ein signifikant verringertes Risiko für Bluthochdruck nur bei den Teilnehmern, die niemals rauchten und täglich 1- 3 Tassen Kaffee pro Tag tranken. Das Hypertonie-Risiko bei ehemaligen und gegenwärtigen Rauchern wurde durch den Kaffeekonsum nicht signifikant beeinflusst. Auch zeigte sich, dass mehr als 3 Tassen Kaffee täglich das Risiko einer Hypertonie ebenfalls nicht signifikant änderten.

    Die Schlussfolgerung der Forscher ist, dass sich moderater Kaffeekonsum (1 bis 3 Tassen täglich) vorteilhaft auf das Risiko der Entwicklung eines Bluthochdrucks auswirken könnte, und zwar bei denen, die nie geraucht hatten. Künftige Studien werden sicherlich noch mehr Erkenntnisse über die möglicherweise schützenden Effekte des moderaten Kaffeetrinkens gegen Hypertonie bringen.

    Quelle:

    Miranda AM et al., Coffee consumption and risk of hypertension: A prospective analysis in the cohort study. May 2020, Clinical Nutrition, doi.org/10.1016/j.clnu.2020.05.052

  • Kaffee als „Smoothie“?

    Weltweit wurden in verschiedenen Studien mögliche Zusammenhänge zwischen gewohnheitsmäßigem Kaffeekonsum und einem geringeren Risiko für Krankheiten wie Typ-2-Diabetes, chronischer Lebererkrankung, bestimmten Krebsarten und verringerter Gesamtmortalität (Sterblichkeit) gezeigt. Die molekularen Mechanismen, die für diese beobachteten Effekte verantwortlich sein könnten, sind jedoch noch nicht aufgeklärt.

    Wissenschaftler von der Universität Düsseldorf und vom Westdeutschen Diabetes- und Gesundheitszentrum (WDGZ) werfen in einem neuveröffentlichten Übersichtsartikel einen neuen Blickwinkel auf Kaffee als „Nahrungsmittel“. Sie argumentieren, dass Kaffee ähnliche vorteilhafte Eigenschaften besitzt wie viele Obst- und Gemüsesorten. Neue Studien identifizierten die gesundheitsfördernden molekulare Mechanismen, die Gemüse, Obst und Kaffee gemeinsam haben: Die Aktivierung einer adaptiven Zellantwort.

    Diese Zellantwort beinhaltet die Aktivierung von Genen, die an antioxidativen, entgiftenden und Reparaturprozessen beteiligt sind. Phytochemikalien (bioaktive / sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe), die in Obst und Gemüse, aber auch in Kaffee vorkommen, aktivieren das sogenannte Nrf2-Genregulationssystem, das Gene des zellulären Abwehrsystems induziert.

    Die Wissenschaftler betonen, dass Kaffee hierbei eine dominierende Rolle spielt, da er die Hauptquelle für Phenolsäuren und Polyphenole in den Industrieländern sei.

    Eine mögliche zusätzliche positive Wirkung auf die Gesundheit könnte Kaffee über die Förderung der ‚guten‘ Bakterien des Darmmikrobioms durch die in den Darm gelangenden, unverdauten präbiotischen Kaffeeinhaltsstoffe ausüben.

    Die Forscher folgern aus den publizierten Daten, dass Kaffee über die gleichen Mechanismen, die für Obst und Gemüse angenommen werden, die Gesundheit fördern könnte.  Zukünftig sind sicherlich weitere Studien nötig, um diese Zusammenhänge besser zu verstehen.

    Grafik in der Anlehnung der Literaturquelle.

     

     

    Quelle:

    H. Kolb, K. Kempf and S. Martin: Health Effects of Coffee: Mechanism Unraveled? Review; Nutrients 2020, 12, 1842; doi:10.3390/nu12061842

  • Wirkt sich Kaffeetrinken auf das Krebsrisiko aus?

    Laut der neuen Richtlinie für Ernährung und körperliche Aktivität für Krebsvorbeugung der Amerikanischen Krebsgesellschaft (American Cancer Society, ACS): Ja, Kaffee könnte das Risiko für manche Krebsarten verringern. Die im Juni 2020 publizierte Richtlinie der Amerikanischen Krebsgesellschaft wurde von Experten aus der Krebsforschung, Krebsvorbeugung, Epidemiologie, dem Gesundheitswesen und der Politik auf der Basis aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse über den Zusammenhang von Ernährung, Bewegung und Krebsrisiko erarbeitet.

    Sie beinhaltet verschiedene Empfehlungen zur Ernährung, Lebensweise und sportlichen Betätigung, die helfen können, das individuelle Krebsrisiko zu verringern.

    Die ACS empfiehlt für die individuelle Krebsvorbeugung Folgendes:

    Ein gesundes Körpergewicht sollte erreicht und über das gesamte Leben erhalten werden.

    Eine Gewichtzunahme im Erwachsenenalter sollte vermieden werden.

    Sportliche Aktivität sollte folgenden Umfang haben:

    ·       Erwachsene: wöchentlich 150-300 Minuten moderate oder 75-150 Minuten intensive Aktivität

    ·       Kinder und ältere Menschen: täglich ca. eine Stunde moderate/intensive Aktivität

    Eine gesunde Ernährung für alle Altersgruppen sollte Folgendes beinhalten:

    ·       Nährstoffreiche Nahrungsmittel

    ·       Verschiedene Gemüsesorten: dunkelgrün, rot und orange, faserreiche Leguminosen

    ·       Früchte in verschiedenen Farben

    ·       Vollkorn

    Verzichten oder limitieren:

    ·       rotes Fleisch und verarbeitete Fleischprodukte

    ·       gezuckerte Getränke

    ·       prozessierte Lebensmittel, raffinierte Getreideprodukte

    Am besten keinen Alkohol trinken, oder den Alkoholkonsum auf ein Getränk am Tag für Frauen / 2 Getränke am Tag für Männer reduzieren.

    Die ACS berichtet in der neuen Richtlinie über einen Wechsel in der Krebsvorbeugung im Laufe der Zeit: Weg von reduktionistischen oder Nährstoff-zentrierten Ansätzen und hin zu einem ganzheitlicheren Ernährungskonzept. Menschen nehmen Nahrung zu sich und nicht einzelne Nährstoffe. Die aufgenommene Nahrung in ihrer Gesamtheit repräsentiert ein allgemeines Ernährungsmuster. Die verschiedenen Nahrungs-komponenten können in Kombination miteinander zusätzlich das Krebsrisiko beeinflussen. Die Hinweise wachsen, dass ein gesundes Ernährungsmuster mit niedrigem Krebsrisiko (insbesondere Dickdarm- und Brustkrebs) verbunden ist.      

    In diesem Zusammenhang wird in der Richtlinie der ACS auch Kaffee, das weltweit beliebte Getränk, betrachtet: Es gibt Hinweise, dass Kaffeekonsum wahrscheinlich das Risiko für manche Krebsarten reduziert. So das Risiko für Leber- und Endometriumkrebs (Gebärmutterschleimhaut-Krebs), für manche Kopf-Hals-Tumore (Krebsarten der Mund, des Rachens und Kehlkopfs) und das Risiko für Basalzellkarzinom sowohl bei Männern als auch bei Frauen. Möglicherweise wird auch das Risiko von Schwarzem Hautkrebs (malignes Melanom) bei Frauen durch Kaffeekonsum verringert. Auch beeinflusst Kaffee die sogenannte Darmtransitzeit, also die Verweildauer der Nahrung im Darm, und den Abbau von krebserregenden Substanzen in der Leber und trägt dadurch bei der Reduktion von manchen Krebsarten des Verdauungstrakts bei. 

    Die Mechanismen, worüber Kaffee diese vorteilhaften Effekte ausübt, sind noch nicht vollständig verstanden. Bekannt ist, dass im Kaffeegetränk Hunderte bioaktive Inhaltsstoffe wie Koffein, Flavonoide, Lignine und andere Polyphenole zu finden sind. Diese und andere Kaffee-Inhaltsstoffe wirken in verschiedenen Prozessen im Körper mit, wie z. B. im Energiehaushalt, in der Reparatur von DNS (Erbsubstanz), verhindern Zellschäden und haben antientzündliche Eigenschaften.

    Die neue Richtlinie für Krebsvorbeugung der ACS unterstützt die in 2018 von der Weltkrebsforschungs-Stiftung/Amerikanisches Institut für Krebsforschung (WCRF/AICR) publizierte Monographie, in der alle Forschungsdaten über Kaffee und Krebs zusammengefasst wurden und gezeigt wurde, dass es keinerlei Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum und Krebsentstehung in einem Körperteil gibt. Kaffee sollte jedoch - wie auch andere warme Getränke - bei moderaten Temperaturen getrunken werden, betonen beide Publikationen, da Getränke über 65°C getrunken das Risiko für Rachenkrebs erhöhen könnten.

    Quellen:

    1. Rock C. L. et al, 2020. American Cancer Society Guideline for Diet and Physical Activity for Cancer Prevention, CA CANCER J CLIN

    1. World Cancer Research Fund/American Institute for Cancer Research, 2018. Diet, Nutrition, Physical Activity and Cancer: A Global Perspective. Continuous Update Project. The Third Expert Report. American Institute for Cancer Research; 2018.

  • Sind Kaffeetrinker die besseren Blutspender?

    Eine neue amerikanische Studie untersuchte, wie Koffein die Lagerungsfähigkeit von gespendetem Blut beeinflusst. Koffein ist ein Gegenspieler von Adenosin, ein körpereigenes Signalmolekül, das unter anderem den Stoffwechsel der Erythrozyten reguliert. Die Forscher bestimmten die Mengen an Koffein und seinen Abbauprodukten in 599 Spenderblutproben und korrelierten sie mit verschiedenen Stoffwechselparametern der roten Blutkörperchen, die 10, 23 und 42 Tage gelagert wurden.

    Die Resultate zeigten, dass der Erythrozyten-Stoffwechsel verschiedener Spender sich entsprechend der Menge an Koffein im Blut unterschied. Hatte das Spenderblut einen höheren Koffeingehalt, war in den roten Blutkörperchen mehr von den schützenden Antioxidantien, wie Glutathion, enthalten. Auch der Methionin-Spiegel war erhöht, was für die Reparatur von Proteinen, die durch oxidativen Stress geschädigt wurden, bedeutsam ist. Koffein hat einen leicht positiven Effekt auf die Überlebensrate der Erythrozyten während der Lagerung: Sie sind seltener wegen oxidativ-osmotischer oder spontaner Hämolyse (Auflösung der roten Blutkörperchen) zugrunde gegangen. Die Menge an Koffein und dessen Metaboliten war während der Lagerung unverändert geblieben.

    Die Forscher vermuten, dass der oxidative Stress der Blutzellen durch Koffein im Spenderblut verringert wird und so die Blutzellen die Lagerung in der Blutbank besser überstehen können. Neben dem Koffeingehalt im Spenderblut haben auch andere Faktoren eine Auswirkung auf die Lagerungsfähigkeit der Erythrozyten. Wie bereits andere Studien zeigten, kann Alter, Geschlecht, die genetische Ausstattung der Spender, und wie vorläufige Daten zeigen, auch Fitness oder Rauchen die Spenderbluteigenschaften während der Lagerung beeinflussen.

    Die neue Studie erweitert das Wissen über die variablen Faktoren der Blutspender, die die Lagerungsfähigkeit von Blut und somit die Eignung für eine Transfusion beeinflussen.

    Quelle:

    D`Alessandro A. et al.: Stored RBC metabolism as a function of caffeine levels. TRANSFUSION 2020;9999;1–15, doi:10.1111/trf.15813

  • Schlanker durch Kaffee?

    Ein internationales Forscherteam hat eine neue Studie über die Wirkung von Kaffeekonsum auf das Gewicht veröffentlicht. Adipositas (definiert als ein BMI = body mass index über 30) ist ein weltweites Problem, laut WHO verdreifachte sich die Häufigkeit der krankhaften Fettleibigkeit seit 1975.

    Übergewicht und Adipositas führen zu gesundheitlichen Problemen und gehen mit erhöhter Morbidität (Häufigkeit von Erkrankungen) und Mortalität (Sterblichkeit) in der Bevölkerung einher. Wie zahlreiche wissenschaftliche Studien zeigen, hat Kaffeekonsum verschiedene positive Effekte auf die Gesundheit und ist mit geringerem Risiko für Herz- und Kreislauferkrankungen sowie für Adipositas assoziiert.

    Die neue Studie setzte das Ziel, den Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum und Adipositas in der US-amerikanischen Bevölkerung zu untersuchen. Dafür haben die Wissenschaftler 2.749 Männer sowie 2.947 Frauen über ihren Kaffeekonsum befragt und den Körperfettgehalt mit DXA untersucht. DXA (Dual Energy X-Ray Absorptiometry), ist ein Diagnoseverfahren, was auf Röntgenstrahlen basiert und häufig für Knochendichte-Messungen verwendet wird. Mit DXA kann die Zusammensetzung des Körpers gemessen werden, somit auch der Anteil an Körperfett und, was sehr wichtig ist, auch dessen Verteilung. Die Teilnehmer der Studie waren zwischen 20 und 69 Jahre alt. Der Kaffeekonsum wurde über einen Fragebogen ermittelt. Der Genuss sowohl von entkoffeiniertem als auch von koffeinhaltigem Kaffee wurde erfasst. Der Stamm- und Gesamt-Fettanteil des Körpers wurde mit DXA gemessen.

    Wie die DXA-Ergebnisse zeigten, war ein höherer Kaffeekonsum bei Frauen, nicht aber bei Männern, signifikant mit einem niedrigeren Anteil an Gesamt- und Stammfett assoziiert, und das dosisabhängig. Frauen im Alter zwischen 20–44 Jahren, die täglich 2 bis 3 Tassen tranken und Frauen zwischen 45-69 Jahren, die vier oder mehr Tassen Kaffe täglich tranken, hatten gegenüber Nicht-Kaffeetrinkerinnen der gleichen Altersgruppe einen signifikant niedrigeren Körper- und Stammfettanteil. Sowohl entkoffeinierter als auch koffeinhaltiger Kaffee zeigten diesen Effekt. Die Forscher vermuten, dass nicht Koffein, sondern andere bioaktive Inhaltsstoffe im Kaffee das Körpergewicht regulieren und antiadipös wirken können.

    Warum die Geschlechter unterschiedlich auf Kaffee bezüglich Adipositas reagieren, ist unklar. Es ist bekannt, dass die Sexualsteroidhormone das Anlegen und die Verteilung von Körperfett wesentlich bestimmen. Die Daten dieser Studie stützen die bisherigen Ergebnisse, dass normaler Kaffeekonsum Fettleibigkeit bei Älteren und Frauen verringern kann. Dieser Effekt wird wahrscheinlich durch die Regulation von Sexualsteroidhormonen bewirkt

    Ob die Fettleibigkeit in der Bevölkerung durch Kaffeegenuss wirklich reduziert werden kann, muss durch weitere Studien geklärt werden; die Forscher sehen Grund zum Optimismus.


    Quelle:

    Cao C. et al.: Regular Coffee Consumption is Associated with Lower Regional Adiposity Measured by DXA among US Women. The Journal of Nutrition 2020 May 3. pii: nxaa121. doi: 10.1093/jn/nxaa121.

  • Mit Koffein auf gute Ideen kommen

    Unordnung im Kopf zeigt Intelligenz an Koffein erhöht die Unordnung im Gehirn, und das ist eine gute Nachricht. Ein Gehirn mit ungeordnetem, chaotischen Aktivitätsmuster ist effektiver und kreativer beim Denken. Neurowissenschaftler bezeichnen dies als Entropie des Gehirns, sie widerspiegelt die Komplexität der Gehirnaktivitäten, die Netzwerke von Nervenzellen, die von einem Moment zum nächsten geschaltet werden, die Dynamik unseres Denkens. Eine hohe Gehirn-Entropie ist mit höherer Intelligenz assoziiert, ein Gehirn mit niedriger Entropie ist durch Ordnung und Wiederholungen charakterisiert.

    Amerikanische Forscher haben das Gehirn von 892 Personen untersucht. Der Blutfluss in verschiedenen Gehirnregionen wurde in MRT (Magnetresonanztomographie) dargestellt, um vorhersagen zu können, welche Gehirnregion wann aktiv ist. Unerwarteterweise waren gerade diejenigen Personen in Logik-Tests am erfolgreichsten, deren Gehirn unberechenbare, also chaotischere Aktivitäten in speziellen Regionen der Hirnrinde zeigte. Das war überraschend, aber irgendwie logisch: ein effektives Gehirn kann Probleme auf ungewöhnlichen Wegen lösen.

    Kreative Problem-Lösung? Eine gute Idee!

    Genau dabei kann Koffein helfen. Den ersten neurobiologischen Hinweis dafür lieferte eine Studie, in der 60 Personen 200 mg Koffein in Tablettenform zu sich nahmen. Danach erfolgte die Messung des Blutflusses und der neuronalen Aktivität im Gehirn. Es zeigte sich, dass Koffein den Blutfluss im gesamten Gehirn drosselt, wie in der wissenschaftlichen Literatur bereits beschrieben, aber überraschenderweise die Entropie im Gehirn fast überall erhöht. Die stärkste Entropie-Zunahme war in der Großhirnrinde, am höchsten im Stirnbereich, im Ruhezustandsnetzwerk (z. B. zuständig für Tagträume, Kreativität, Zukunftspläne oder das Nachdenken über Vergangenes), im Sehzentrum und im motorischen Zentrum. Also genau in den Regionen, die für die bekannten positiven Wirkungen von Koffein wie Aufmerksamkeit und Wachsamkeit und erhöhte geistige Leistungsfähigkeit zuständig sind.

    Eine hohe Gehirn-Entropie ist mit höherer Intelligenz assoziiert. Die Forscher vermuten, dass die positiven Wirkungen von Koffein auf das Gehirn darauf beruhen, dass die erhöhte Gehirn-Entropie die bessere und komplexere Verarbeitung von Informationen erhöht. In weiteren Arbeiten soll geprüft werden, ob eine Leistungssteigerung durch Koffein, z. B. in kognitiven Tests, mit einer Erhöhung der Gehirn-Entropie korreliert. 

    Quellen:

    1. Saxe G. N. et al.: Brain entropy and human intelligence: A resting-state fMRI study. PloS One 2018 Feb 12;13(2):e0191582. doi: 10.1371/journal.pone.0191582. eCollection 2018.

    2. Chang D. et al.: Caffeine Caused a Widespread Increase of Resting Brain Entropy. Scientific Reports 2018 Feb 9;8(1):2700. doi: 10.1038/s41598-018-21008-6.

  • Kann Koffein das Darmkrebsrisiko senken?

    Immer mehr Forschungsergebnisse zeigen, dass Koffein auf vielfältige Weise auf die Entstehung, Metastasenbildung und damit auch auf die Prognose von Darmkrebs Einfluss nehmen könnte. In einem aktuellen Übersichtsartikel haben chinesische Wissenschaftler die bisherigen weltweiten Forschungsergebnisse auf diesem Gebiet zusammengefasst.

    Wie die Wissenschaftler zusammenfassen, übt Koffein seine biologische Aktivität hauptsächlich auf fünf Ebenen aus:

    Koffein greift in die Zellkommunikation ein: Im Darmtumorgewebe werden wichtige Signalstoffe überproduziert. Durch seine hemmende Wirkung auf diese könnte Koffein das Wachstum von Tumorzellen unterdrücken.

    Koffein moduliert das Immunsystem, indem es auf die Entwicklung und Aktivierung von Immunzellen wie T- und B-Lymphozyten, Natürliche Killerzellen und Makrophagen (Fresszellen) wirkt.

    Koffein beeinflusst die Darmbakterien und fördert ein gesundes Mikrobiom, was eine wesentliche Rolle in der Erhaltung der Darmgesundheit spielt.

    Koffein kann im Zellteilungszyklus regulierend wirken: Darmepithelzellen sind einer Vielzahl von Substanzen ausgesetzt, die das Erbmaterial (DNA) schädigen können. Wenn die DNA-Reparatursysteme nicht ausreichend funktionieren, muss der Zellzyklus gestoppt werden, damit sich die Zellen mit verändertem DNA nicht weiter teilen. Das würde sonst zur genetischen Instabilität und zur Tumorentwicklung führen. Studien zeigen, dass Koffein an einer wichtigen Kontrollstelle der Zellteilung ansetzen kann, und zwar in die Regulation der Tumorsuppressor-Proteins p53, die das Absterben von Tumorzellen bewirkt.

    Koffein wirkt auf die Redox-Balance: Normalerweise existiert auf zellulärer Ebene ein Gleichgewicht zwischen der Menge an schädlichen reaktiven Sauerstoffspezies (ROS) und körpereigenen Antioxidantien. Wenn jedoch zu viel ROS produziert wird oder zu wenig Antioxidantien da sind, entsteht oxidativer Stress, was zur Krankheitsentwicklung führen kann. Als Antioxidans könnte Koffein oxidativen Stress Zellschädigungen, DNA-Mutation und Entzündungen reduzieren und so die Erhaltung des Redox-Gleichgewichts unterstützen.

    Die chinesischen Forscher betonen, dass die Mehrheit der von ihnen analysierten Studien auf einen schützenden Effekt von Koffein vor Darmkrebs hinweisen. Es müssen zukünftig jedoch weitere, detaillierte Studien durchgeführt werden, um die komplexe Wirkweise von Koffein und seinen Abbauprodukten in der Vorbeugung und Entwicklung von Darmkrebs verstehen zu können.

    Quelle:

    Wen-Qi Cui et al.: Caffeine and its main targets of colorectal cancer.  World Journal of Gastrointestinal Oncology, 2020 February 15; 12(2): 149-172   

  • Positive Wirkung von Kaffee auf Osteoporose

    Beeinflusst Kaffeekonsum die Knochendichte? Bisherige epidemiologische Studien waren teils widersprüchlich in ihren Ergebnissen. Die Wirkung der bioaktiven Inhaltsstoffe des Kaffees auf die Mineralisierung von Knochen wurde hingegen noch nicht untersucht.

    In einer aktuellen Studie haben chinesische Forscher nun Kaffee-assoziierte Abbauprodukte (Metabolite) im Blutserum bestimmt und geprüft, ob diese mit der Knochendichte der Studienteilnehmer in Zusammenhang stehen.

    In die Studie wurden insgesamt 564 gesunde Probanden der Hong Kong Osteoporose-Studie einbezogen, die zwischen 2001 und 2010 sowie 2015-2016 untersucht wurden. Der Kaffee-Konsum wurde über einen Fragebogen ermittelt. Etwa 85 % der Kaffee-Trinker gaben an, täglich etwa 250 ml Kaffee zu sich zu nehmen. Die anderen 15 % trank mehr als 250 ml Kaffee pro Tag.

    Die Metabolite im Blutserum wurden mittels verschiedener spezifischer Labormethoden untersucht. Außerdem wurde die Knochendichte durch die auch hierzulande gängige und als „Goldstandard“ geltende DXA-Messung an der Lendenwirbelsäule und am Schenkelhals der Probanden bestimmt.

    Die Wissenschaftler fanden 12 verschiedene Metabolite des Kaffees im Blutserum, die Hälfte davon waren Abbauprodukte von Koffein. Bei den Knochendichte-Messungen zeigte sich, dass gewohnheitsmäßiger Kaffee-Konsum zu einer signifikant höheren Knochenmineralisierung sowohl in der Lendenwirbelsäule als auch im Oberschenkelknochen führte. Interessanterweise war einer der Metabolite signifikant assoziiert mit der Knochendichte in den Lendenwirbeln, ein anderer dagegen am Schenkelhals.

    Die Forscher folgern aus den Studienergebnissen, dass das Vorhandensein dieser Metabolite im Blutserum als potenzieller Biomarker für Kaffee-Konsum gelten kann und dass diese Metabolite die Knochengesundheit positiv beeinflussen. Metabolite, die die Knochenmineraldichte erhöhen, könnten für die Entwicklung neuer Therapeutika gegen Osteoporose verwendet werden.

    Quelle:

    Chau Y.-P. et al.: Serum Metabolome of Coffee Consumption and its Association with Bone Mineral Density: The Hong Kong Osteoporosis Study. Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism 105: 1–9, 2020.

  • Kaffee oder grüner Tee gegen Entwicklung von Altersflecken

    Trinken wir Kaffee oder grünen Tee, können wir der Hautalterung entgegenwirken. Das zeigt eine neue Studie aus Japan. Eine stärkere Pigmentierung und Faltenbildung, besonders im Gesicht, ist eine Begleiterscheinung des Alterns. Sonnenlicht, insbesondere dessen ultravioletter (UV) Anteil, ist der Hauptauslöser von Pigmentflecken und Falten im Gesicht.

    UV-Licht verursacht den Abbau von Kollagen in der Haut, schädigt das Erbmaterial (DNA) und führt zum oxidativen Stress in den Hautzellen. Diese Prozesse können die Hautzellen zerstören. Verschiedene Studien haben bereits gezeigt, dass die negativen Wirkungen von UV-Licht durch Antioxidantien, wie Vitamine, Karotinoide und Polyphenole verringert werden können.

    Ziel der japanischen Studie war, Faktoren zu finden, die die Pigmentierung der Haut beeinflussen, einschließlich Alter, Hauttyp und Polyphenol-Quellen in der Nahrung. Die Forscher untersuchten die Gesichtshaut von 244 gesunden Nichtraucherinnen zwischen 30 und 60 Jahren. Die Probandinnen wurden über ihre Ernährungsgewohnheiten und Lebensweise (wieviel Zeit sie im Freien verbrachten, ob sie Gesichtscreme mit UV-Schutz verwendeten) befragt. Ihre Hautpigmentierung wurde mit digitaler Bildgebungstechnik ausgewertet.

    Es zeigte sich, dass die UV-induzierte Pigmentbildung durch die über die Nahrung aufgenommenen Polyphenole reduziert wurde. Dies war unabhängig vom Hauttyp. Kaffee, die wesentlichste Quelle für Polyphenole, zeigte sich als besonders effektiv, um die Bildung von Altersflecken zu reduzieren. Personen, die täglich etwa 400 mg Polyphenole über Kaffee (das entspricht 1.5 Tassen Kaffee) zu sich nahmen, haben signifikant weniger Pigmentflecken entwickelt. Grüner Tee hatte eine etwas schwächere Wirkung als Kaffee. Der molekulare Wirkmechanismus von Polyphenolen ist noch nicht ganz geklärt, die Forscher vermuten, dass der oxidative Stress in den Zellen reduziert wird.

    Die Wissenschaftler folgern aus diesen Ergebnissen, dass das Trinken von Kaffee oder grünem Tee die Entwicklung von UV-Licht bedingten ‚Altersflecken‘ unterdrücken kann. Diese unerwünschten Zeichen der Hautalterung können durch unsere Ernährungs-gewohnheiten, wie z. B. Kaffeetrinken, beeinflusst werden.

    Quelle:

    Fukushima Y. et al.: Consumption of Polyphenols in Coffee and Green Tea Alleviates Skin Photoaging in Healthy Japanese Women. Clinical, cosmetic and Investigational Dermatology 2020: 13 165-172.

  • Kaffeesatz-Leserei oder steckt noch was darin?

    Wir brühen Kaffee auf und es entsteht Kaffeesatz als Abfall. Ist er nicht zu schade dafür? Genau diese Frage stellten sich Wissenschaftler in Australien. Sie untersuchten die Wirkung von Kaffeesatz als Nahrungsergänzung bei Ratten, die durch experimentelle ‚ungesunde Ernährung‘ ein metabolisches Syndrom entwickelten.


    Das metabolische Syndrom ist eine Kombination verschiedener Risikofaktoren, wie Übergewicht mit zu viel Bauchfett, erhöhter Blutdruck, erhöhte Blutfett- und Blutzuckerwerte. Sie können im Laufe der Zeit zur Arterienverkalkung und dadurch zur Durchblutungsstörung an Herz, Gehirn und Niere führen. Als Folge kann Herzinfarkt oder Schlaganfall auftreten. Das Metabolische Syndrom ist ein zunehmendes Problem in den Industrienationen.

    Für ihre Untersuchung gaben die australischen Forscher männlichen Ratten 16 Wochen lang entweder stärkereiche oder kohlenhydrat- und fettreiche Nahrung. Jeweils die Hälfte der Ratten erhielt in den letzten 8 Wochen des Experiments zusätzlich 5% Kaffeesatz der Nahrung zugesetzt. Ratten, die sich kohlenhydrat- und fettreich ernährten, entwickelten ein metabolisches Syndrom. Sie setzten im Bauchraum Fett an, ihre Glukosetoleranz nahm ab, sie zeigten Herz-, Gefäß und Leberschäden. Diejenigen Ratten jedoch, die nach 8 Wochen zusätzlich Kaffeesatz bekommen hatten, zeigten verbesserte Herz- und Leberfunktionen. Auch Körpergewicht, Bauchfett, Gesamtkörperfettmasse, Blutdruck und Blutfettwerte wurden durch den Kaffeesatz verringert. Kaffeesatz als Nahrungsergänzung erhöhte bei den Ratten die Diversität der Darmmikroben und verringerte das Verhältnis von Firmicutes- zu Bacteroidetes-Stämme. Die Änderungen des Darm-Mikrobioms korrelierten mit weniger Fettleibigkeit, verbesserter Glukosetoleranz und Blutdruck.
    Dies ist ein wichtiges Ergebnis, da die Zusammensetzung des Darm-Mikrobioms auch beim Menschen einen Einfluss auf die Energieverwertung aus der Nahrung hat. Bei normalgewichtigen Menschen dominieren Bacteroidetes-Stämme das Mikrobiom, bei Adipösen hingegen Firmicutes-Stämme.

    Die Ergebnisse der australischen Forscher deuten darauf hin, dass Kaffeesatz zur Behandlung von Fettleibigkeit und metabolischem Syndrom nützlich sein könnte, da er die Zusammensetzung des Darm-Mikrobioms positiv verändert. So könnte das vermeintliche Abfallprodukt unseres täglichen Kaffees eine sinnvolle Verwendung finden.

    Literatur:

    Bhandarkar N. S. et al.: Modulation of gut microbiota by spent coffee grounds attenuates diet-induced metabolic syndrome in rats. The Faseb Journal 2020;00: 1-15.

    Theodor Dingermann und Ilse Zündorf: Mikrobiom, Dick durch falsche Darmflora, Pharmazeutische Zeitung, Ausgabe 20/2014.

  • Kaffee fördert das Wachstum von Probiotika

    Das Darm-Mikrobiom bilden Mikroorganismen, die unseren Darm besiedeln. Die bakterielle Zusammensetzung des Mikrobioms hat einen wichtigen Effekt auf unsere Gesundheit, und es ist durch Ernährung und andere Faktoren beeinflussbar.

    Ein Teil des Mikrobioms sind die sogenannten Probiotika, Bakterien, die eine besonders positive Wirkung auf die Gesundheit haben. Wichtige Probiotika sind z. B. Bifidobakterien, Laktobazillen und Hefen. Sie können mit der Nahrung aufgenommen werden, und so kann die Zusammensetzung des Mikrobioms durch die Ernährung positiv beeinflusst werden.

    Forscher aus Brasilien haben sich die Frage gestellt, ob das Wachstum probiotischer Bakterien, und somit deren Anteil am Mikrobiom, durch Kaffee positiv beeinflussbar ist. Es ist bekannt, das sogenannte Präbiotika das Wachstum von „guten“ Darm-Bakterien stimulieren können. Bekannte Präbiotika sind z. B. Ballaststoffe aber auch Polyphenole. Auch für Kaffee geben frühere Studien Hinweise auf eine potentielle präbiotische Wirkung.

    In der Studie der brasilianischen Forschergruppe wurden zum ersten Mal Effekte von Kaffee auf das Wachstum verschiedener probiotischer Bakterienstämme in der Zellkultur (also in vitro) getestet. Die Wissenschaftler haben Kaffee-Extrakte aus medium oder stark gerösteten Bohnen und entkoffeinierte Extrakte der Kaffee-Arten Coffea arabica und Coffea canephora, sowie verschiedene bioaktive Kaffee-Inhaltstoffe für ihren Test verwendet. Zunächst bestimmten sie die Menge der bioaktiven Substanzen wie Chlorogensäure, Polysaccharide, Koffein und Trigonellin in den Kaffee-Extrakten und fanden, dass diese in der Medium-Röstung höher war. Der Gehalt an Koffein war vom Grad der Röstung unbeeinflusst, da Koffein hitzestabil ist. Danach wurden verschiedene probiotische Bakterienstämme, wie Lactobacillus und Bifidobacterium animalis unter Zugabe von Kaffee-Extrakten oder von bioaktiven Kaffee-Inhaltsstoffen in der Zellkultur vermehrt.

    Die Extrakte aus beiden verwendeten Kaffee-Arten förderten das Wachstum probiotischer Bakterien, und zwar dosisabhängig. Die Extrakte der Medium Röstung zeigten einen stärkeren Effekt und die von entkoffeinierten Kaffee einen leicht schwächeren Effekt. Für die wachstumsfördernde Wirkung waren hauptsächlich Chlorogensäuren und Polysaccharide verantwortlich.

    Diese Resultate zeigen, dass Kaffee das Wachstum probiotischer Bakterien selektiv fördern kann, Röstung und Entkoffeinierung diesen Effekt beeinflussen und verschiedene Bakterienstämme unterschiedliche Kaffee-Inhaltstoffe für ihr Wachstum verwenden können.

    Quelle:

    Sales A. L. et al.: Effects of regular and decaffeinated roasted coffee (Coffea arabica and Coffea canephora) extracts and bioactive compounds on in vitro probiotic bacterial growth. Food & Function, 2020, Advance Article.

  • Kaffee-Alkaloid hemmt allergische Reaktion

    Japanische und indonesische Forscher haben herausgefunden, dass ein im Kaffee enthaltenes Alkaloid, Trigonellin, die übertriebene Reaktion von Mastzellen auf Fremdstoffe, wie es bei allergischen Reaktionen passiert, unterdrücken kann.

    Trigonellin ist nicht nur eine der geschmacksbildenden Substanzen im Kaffee, es kann bei der Röstung von Kaffeebohnen in Niacin (Vitamin B3) verwandelt werden. Kaffee ist eine wichtige Quelle für dieses Vitamin, das eine wesentliche Rolle bei vielen enzymatischen Reaktionen in den Körperzellen spielt. In früheren Studien wurden auch antibakterielle, antikarzinogene und anti-hyperglykämische Wirkungen von Trigonellin untersucht.

    In ihrer Arbeit untersuchten die Forscher zum ersten Mal die Wirkung von Trigonellin auf die Degranulation von Mastzellen, was ein entscheidender Prozess bei einer schnellen hypersensitiven allergischen Reaktion ist.

    Mastzellen sind Zellen des Immunsystems und patroullieren dort, wo etwas Fremdes in den Körper gelangen kann z. B. in den Atemwegen, Darmschleimhaut, Haut. Ihren Namen verdanken sie ihrem Aussehen, unter dem Mikroskop erscheinen sie „gefüllt“ - gemästet - mit Körnchen. Diese enthalten wichtige Botenstoffe wie z. B. Histamin.  Trifft die Mastzelle auf einen Parasiten, einen Fremdstoff oder ein Allergen, werden die Botenstoffe freigesetzt, diesen Vorgang nennt man Degranulation (von Granum, Korn). Auf die ausgeschütteten Botenstoffe reagiert das umgebende Gewebe z. B. mit Schleimbildung, um sich gegen die Eindringlinge zu wehren. Bei allergischen Reaktionen von Typ I, dazu gehören z. B. allergische Rhinitis, Lebensmittel-Allergien, Bronchialasthma, reagieren die Mastzellen übertrieben auf Fremdstoffe und das führt zu den bekannten Krankheitssymptomen.

    Die Forscher haben in vitro in Ratten-Zellkultur und auch in vivo mit Mäusen Experimente durchgeführt. Sie haben die Zellen der Kultur bzw. die Haut der Maus mit Antigenen stimuliert, um eine Immunreaktion auszulösen. Sie konnten zeigen, dass die Antigen-induzierte Degranulation der Zellkulturzellen und auch die allergische Hautreaktion der Maus durch Zugabe von Trigonellin dosisabhängig unterdrückt werden kann.

    Diese Ergebnisse können die Basis für weitere Forschung bilden um Trigonellin-reiche Produkte mit anti-allergischen Effekten sowie Medikamente zu entwickeln.

    Quelle:

    Arita Dewie Nugrahini et al.: Trigonelline: An alkaliod with anti-degranulation properties. Molecular Immunology 118 (2020) 201-209.    

  • Zusammen sind sie stärker: Kaffeeinhaltsstoffe gegen Prostatakrebs

    Frühere Studien hatten gezeigt, dass Kaffee das Fortschreiten von Prostatakrebs hemmt. Die zugrunde liegenden Prozesse sind nicht bekannt. Japanische Forscher führten daher Laborversuche mit dem Ziel durch, mögliche Schlüsselkomponenten zu identifizieren, die für die mögliche krebshemmende Wirkung des Heißgetränks verantwortlich sein könnten.


    Für ihre Studie nutzten sie humane Prostatakrebs-Zelllinien, die mit sechs verschiedenen Kaffeekomponenten „behandelt“ wurden: mit den beiden Diterpenen Kahweol und Kafestol, mit Koffein, Kaffeesäure, Chlorogensäure und Trigonellin. Ihre Wirkung wurde aufgrund verschiedener Messparameter bestimmt, u. a. solche, die typisch für Prozesse des sogenannten programmierten Zelltods (Apoptose) und Proliferation, also das Wachstum von Krebszellen sind. Außerdem führten die Forscher ähnliche Experimente an Mäusen durch.

    Im Ergebnis zeigte sich: Nur Kahweol und Kafestol hemmten die Wucherung und Migration der Prostatakrebszellen, und zwar abhängig von der Dosis. Die Diterpene wirkten im Versuch auch synergistisch. Wurden die beiden Stoffe oral an Mäuse mit Prostatakrebs verabreicht, so hemmten sie auch im Tier signifikant das Krebswachstum.

    Quelle:

    Hiroaki Iwamoto et al.: Coffee diterpenes kahweol acetate and cafestol synergistically inhibit the proliferation and migration of prostate cancer cells; The Prostate. 2019;79:468–479

  • Gesund im Mund Dank Kaffee

    Kaffee zeigte in früheren Studien eine schützende Wirkung in Bezug auf Parodontitis. Forscher aus Taiwan wollten in einem Laborexperiment herausfinden, ob der Einsatz von Kaffeextrakt oder von Chlorogensäure aus einem Kaffeeextrakt eine Auswirkung auf das Wachstum von Porphyromonas gingivalis (P. gingivalis) hat.

    Zur Erklärung: P. gingivalis gehört zu den Bakterien, die eine Parodontitis auslösen können. Die Chlorogensäure ist ein Polyphenol, das in größeren Mengen in dem Heißgetränk vorkommt. Polyphenolen wird eine antioxidative und damit entzündungshemmende Wirkung zugeschrieben.

    Es zeigte sich, dass Chlorogensäure das Bakterienwachstum hemmte und ab einer gewissen Konzentration P. gingivalis sogar abtöten konnte. Auch der Kaffeeextrakt zeigte eine antibakterielle Wirkung.

    Diese Studie werfe ein neues Licht auf die positive Rolle von Chlorogensäuren und vielleicht auch Kaffee bei Parodontitis-Erkrankungen durch P. gingivalis-Infektionen, meinen die Forscher in ihrem Resümee.

    Quelle:

    Sing-Hua Tsou et. al: Potential Oral Health Care Agent from Coffee Against Virulence Factor of Periodontitis; Nutrients 2019, 11, 2235; doi:10.3390/nu11092235