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Kaffee ist weltweit eines der beliebtesten Getränke. So ist es kaum verwunderlich, dass Kaffee zu den am besten erforschten Lebensmitteln gehört. Jährlich werden einige Hundert neue wissenschaftliche Studien veröffentlicht, die sich mit den Wirkungen von Kaffee auf die Gesundheit auseinandersetzen. Einige interessante Studien stellen wir Ihnen vor.

  • Schlanker durch Kaffee?

    Ein internationales Forscherteam hat eine neue Studie über die Wirkung von Kaffeekonsum auf das Gewicht veröffentlicht. Adipositas (definiert als ein BMI = body mass index über 30) ist ein weltweites Problem, laut WHO verdreifachte sich die Häufigkeit der krankhaften Fettleibigkeit seit 1975.

    Übergewicht und Adipositas führen zu gesundheitlichen Problemen und gehen mit erhöhter Morbidität (Häufigkeit von Erkrankungen) und Mortalität (Sterblichkeit) in der Bevölkerung einher. Wie zahlreiche wissenschaftliche Studien zeigen, hat Kaffeekonsum verschiedene positive Effekte auf die Gesundheit und ist mit geringerem Risiko für Herz- und Kreislauferkrankungen sowie für Adipositas assoziiert.

    Die neue Studie setzte das Ziel, den Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum und Adipositas in der US-amerikanischen Bevölkerung zu untersuchen. Dafür haben die Wissenschaftler 2.749 Männer sowie 2.947 Frauen über ihren Kaffeekonsum befragt und den Körperfettgehalt mit DXA untersucht. DXA (Dual Energy X-Ray Absorptiometry), ist ein Diagnoseverfahren, was auf Röntgenstrahlen basiert und häufig für Knochendichte-Messungen verwendet wird. Mit DXA kann die Zusammensetzung des Körpers gemessen werden, somit auch der Anteil an Körperfett und, was sehr wichtig ist, auch dessen Verteilung. Die Teilnehmer der Studie waren zwischen 20 und 69 Jahre alt. Der Kaffeekonsum wurde über einen Fragebogen ermittelt. Der Genuss sowohl von entkoffeiniertem als auch von koffeinhaltigem Kaffee wurde erfasst. Der Stamm- und Gesamt-Fettanteil des Körpers wurde mit DXA gemessen.

    Wie die DXA-Ergebnisse zeigten, war ein höherer Kaffeekonsum bei Frauen, nicht aber bei Männern, signifikant mit einem niedrigeren Anteil an Gesamt- und Stammfett assoziiert, und das dosisabhängig. Frauen im Alter zwischen 20–44 Jahren, die täglich 2 bis 3 Tassen tranken und Frauen zwischen 45-69 Jahren, die vier oder mehr Tassen Kaffe täglich tranken, hatten gegenüber Nicht-Kaffeetrinkerinnen der gleichen Altersgruppe einen signifikant niedrigeren Körper- und Stammfettanteil. Sowohl entkoffeinierter als auch koffeinhaltiger Kaffee zeigten diesen Effekt. Die Forscher vermuten, dass nicht Koffein, sondern andere bioaktive Inhaltsstoffe im Kaffee das Körpergewicht regulieren und antiadipös wirken können.

    Warum die Geschlechter unterschiedlich auf Kaffee bezüglich Adipositas reagieren, ist unklar. Es ist bekannt, dass die Sexualsteroidhormone das Anlegen und die Verteilung von Körperfett wesentlich bestimmen. Die Daten dieser Studie stützen die bisherigen Ergebnisse, dass normaler Kaffeekonsum Fettleibigkeit bei Älteren und Frauen verringern kann. Dieser Effekt wird wahrscheinlich durch die Regulation von Sexualsteroidhormonen bewirkt

    Ob die Fettleibigkeit in der Bevölkerung durch Kaffeegenuss wirklich reduziert werden kann, muss durch weitere Studien geklärt werden; die Forscher sehen Grund zum Optimismus.


    Quelle:

    Cao C. et al.: Regular Coffee Consumption is Associated with Lower Regional Adiposity Measured by DXA among US Women. The Journal of Nutrition 2020 May 3. pii: nxaa121. doi: 10.1093/jn/nxaa121.

  • Mit Koffein auf gute Ideen kommen

    Unordnung im Kopf zeigt Intelligenz an Koffein erhöht die Unordnung im Gehirn, und das ist eine gute Nachricht. Ein Gehirn mit ungeordnetem, chaotischen Aktivitätsmuster ist effektiver und kreativer beim Denken. Neurowissenschaftler bezeichnen dies als Entropie des Gehirns, sie widerspiegelt die Komplexität der Gehirnaktivitäten, die Netzwerke von Nervenzellen, die von einem Moment zum nächsten geschaltet werden, die Dynamik unseres Denkens. Eine hohe Gehirn-Entropie ist mit höherer Intelligenz assoziiert, ein Gehirn mit niedriger Entropie ist durch Ordnung und Wiederholungen charakterisiert.

    Amerikanische Forscher haben das Gehirn von 892 Personen untersucht. Der Blutfluss in verschiedenen Gehirnregionen wurde in MRT (Magnetresonanztomographie) dargestellt, um vorhersagen zu können, welche Gehirnregion wann aktiv ist. Unerwarteterweise waren gerade diejenigen Personen in Logik-Tests am erfolgreichsten, deren Gehirn unberechenbare, also chaotischere Aktivitäten in speziellen Regionen der Hirnrinde zeigte. Das war überraschend, aber irgendwie logisch: ein effektives Gehirn kann Probleme auf ungewöhnlichen Wegen lösen.

    Kreative Problem-Lösung? Eine gute Idee!

    Genau dabei kann Koffein helfen. Den ersten neurobiologischen Hinweis dafür lieferte eine Studie, in der 60 Personen 200 mg Koffein in Tablettenform zu sich nahmen. Danach erfolgte die Messung des Blutflusses und der neuronalen Aktivität im Gehirn. Es zeigte sich, dass Koffein den Blutfluss im gesamten Gehirn drosselt, wie in der wissenschaftlichen Literatur bereits beschrieben, aber überraschenderweise die Entropie im Gehirn fast überall erhöht. Die stärkste Entropie-Zunahme war in der Großhirnrinde, am höchsten im Stirnbereich, im Ruhezustandsnetzwerk (z. B. zuständig für Tagträume, Kreativität, Zukunftspläne oder das Nachdenken über Vergangenes), im Sehzentrum und im motorischen Zentrum. Also genau in den Regionen, die für die bekannten positiven Wirkungen von Koffein wie Aufmerksamkeit und Wachsamkeit und erhöhte geistige Leistungsfähigkeit zuständig sind.

    Eine hohe Gehirn-Entropie ist mit höherer Intelligenz assoziiert. Die Forscher vermuten, dass die positiven Wirkungen von Koffein auf das Gehirn darauf beruhen, dass die erhöhte Gehirn-Entropie die bessere und komplexere Verarbeitung von Informationen erhöht. In weiteren Arbeiten soll geprüft werden, ob eine Leistungssteigerung durch Koffein, z. B. in kognitiven Tests, mit einer Erhöhung der Gehirn-Entropie korreliert. 

    Quellen:

    1. Saxe G. N. et al.: Brain entropy and human intelligence: A resting-state fMRI study. PloS One 2018 Feb 12;13(2):e0191582. doi: 10.1371/journal.pone.0191582. eCollection 2018.

    2. Chang D. et al.: Caffeine Caused a Widespread Increase of Resting Brain Entropy. Scientific Reports 2018 Feb 9;8(1):2700. doi: 10.1038/s41598-018-21008-6.

  • Kann Koffein das Darmkrebsrisiko senken?

    Immer mehr Forschungsergebnisse zeigen, dass Koffein auf vielfältige Weise auf die Entstehung, Metastasenbildung und damit auch auf die Prognose von Darmkrebs Einfluss nehmen könnte. In einem aktuellen Übersichtsartikel haben chinesische Wissenschaftler die bisherigen weltweiten Forschungsergebnisse auf diesem Gebiet zusammengefasst.

    Wie die Wissenschaftler zusammenfassen, übt Koffein seine biologische Aktivität hauptsächlich auf fünf Ebenen aus:

    Koffein greift in die Zellkommunikation ein: Im Darmtumorgewebe werden wichtige Signalstoffe überproduziert. Durch seine hemmende Wirkung auf diese könnte Koffein das Wachstum von Tumorzellen unterdrücken.

    Koffein moduliert das Immunsystem, indem es auf die Entwicklung und Aktivierung von Immunzellen wie T- und B-Lymphozyten, Natürliche Killerzellen und Makrophagen (Fresszellen) wirkt.

    Koffein beeinflusst die Darmbakterien und fördert ein gesundes Mikrobiom, was eine wesentliche Rolle in der Erhaltung der Darmgesundheit spielt.

    Koffein kann im Zellteilungszyklus regulierend wirken: Darmepithelzellen sind einer Vielzahl von Substanzen ausgesetzt, die das Erbmaterial (DNA) schädigen können. Wenn die DNA-Reparatursysteme nicht ausreichend funktionieren, muss der Zellzyklus gestoppt werden, damit sich die Zellen mit verändertem DNA nicht weiter teilen. Das würde sonst zur genetischen Instabilität und zur Tumorentwicklung führen. Studien zeigen, dass Koffein an einer wichtigen Kontrollstelle der Zellteilung ansetzen kann, und zwar in die Regulation der Tumorsuppressor-Proteins p53, die das Absterben von Tumorzellen bewirkt.

    Koffein wirkt auf die Redox-Balance: Normalerweise existiert auf zellulärer Ebene ein Gleichgewicht zwischen der Menge an schädlichen reaktiven Sauerstoffspezies (ROS) und körpereigenen Antioxidantien. Wenn jedoch zu viel ROS produziert wird oder zu wenig Antioxidantien da sind, entsteht oxidativer Stress, was zur Krankheitsentwicklung führen kann. Als Antioxidans könnte Koffein oxidativen Stress Zellschädigungen, DNA-Mutation und Entzündungen reduzieren und so die Erhaltung des Redox-Gleichgewichts unterstützen.

    Die chinesischen Forscher betonen, dass die Mehrheit der von ihnen analysierten Studien auf einen schützenden Effekt von Koffein vor Darmkrebs hinweisen. Es müssen zukünftig jedoch weitere, detaillierte Studien durchgeführt werden, um die komplexe Wirkweise von Koffein und seinen Abbauprodukten in der Vorbeugung und Entwicklung von Darmkrebs verstehen zu können.

    Quelle:

    Wen-Qi Cui et al.: Caffeine and its main targets of colorectal cancer.  World Journal of Gastrointestinal Oncology, 2020 February 15; 12(2): 149-172   

  • Positive Wirkung von Kaffee auf Osteoporose

    Beeinflusst Kaffeekonsum die Knochendichte? Bisherige epidemiologische Studien waren teils widersprüchlich in ihren Ergebnissen. Die Wirkung der bioaktiven Inhaltsstoffe des Kaffees auf die Mineralisierung von Knochen wurde hingegen noch nicht untersucht.

    In einer aktuellen Studie haben chinesische Forscher nun Kaffee-assoziierte Abbauprodukte (Metabolite) im Blutserum bestimmt und geprüft, ob diese mit der Knochendichte der Studienteilnehmer in Zusammenhang stehen.

    In die Studie wurden insgesamt 564 gesunde Probanden der Hong Kong Osteoporose-Studie einbezogen, die zwischen 2001 und 2010 sowie 2015-2016 untersucht wurden. Der Kaffee-Konsum wurde über einen Fragebogen ermittelt. Etwa 85 % der Kaffee-Trinker gaben an, täglich etwa 250 ml Kaffee zu sich zu nehmen. Die anderen 15 % trank mehr als 250 ml Kaffee pro Tag.

    Die Metabolite im Blutserum wurden mittels verschiedener spezifischer Labormethoden untersucht. Außerdem wurde die Knochendichte durch die auch hierzulande gängige und als „Goldstandard“ geltende DXA-Messung an der Lendenwirbelsäule und am Schenkelhals der Probanden bestimmt.

    Die Wissenschaftler fanden 12 verschiedene Metabolite des Kaffees im Blutserum, die Hälfte davon waren Abbauprodukte von Koffein. Bei den Knochendichte-Messungen zeigte sich, dass gewohnheitsmäßiger Kaffee-Konsum zu einer signifikant höheren Knochenmineralisierung sowohl in der Lendenwirbelsäule als auch im Oberschenkelknochen führte. Interessanterweise war einer der Metabolite signifikant assoziiert mit der Knochendichte in den Lendenwirbeln, ein anderer dagegen am Schenkelhals.

    Die Forscher folgern aus den Studienergebnissen, dass das Vorhandensein dieser Metabolite im Blutserum als potenzieller Biomarker für Kaffee-Konsum gelten kann und dass diese Metabolite die Knochengesundheit positiv beeinflussen. Metabolite, die die Knochenmineraldichte erhöhen, könnten für die Entwicklung neuer Therapeutika gegen Osteoporose verwendet werden.

    Quelle:

    Chau Y.-P. et al.: Serum Metabolome of Coffee Consumption and its Association with Bone Mineral Density: The Hong Kong Osteoporosis Study. Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism 105: 1–9, 2020.

  • Kaffee oder grüner Tee gegen Entwicklung von Altersflecken

    Trinken wir Kaffee oder grünen Tee, können wir der Hautalterung entgegenwirken. Das zeigt eine neue Studie aus Japan. Eine stärkere Pigmentierung und Faltenbildung, besonders im Gesicht, ist eine Begleiterscheinung des Alterns. Sonnenlicht, insbesondere dessen ultravioletter (UV) Anteil, ist der Hauptauslöser von Pigmentflecken und Falten im Gesicht.

    UV-Licht verursacht den Abbau von Kollagen in der Haut, schädigt das Erbmaterial (DNA) und führt zum oxidativen Stress in den Hautzellen. Diese Prozesse können die Hautzellen zerstören. Verschiedene Studien haben bereits gezeigt, dass die negativen Wirkungen von UV-Licht durch Antioxidantien, wie Vitamine, Karotinoide und Polyphenole verringert werden können.

    Ziel der japanischen Studie war, Faktoren zu finden, die die Pigmentierung der Haut beeinflussen, einschließlich Alter, Hauttyp und Polyphenol-Quellen in der Nahrung. Die Forscher untersuchten die Gesichtshaut von 244 gesunden Nichtraucherinnen zwischen 30 und 60 Jahren. Die Probandinnen wurden über ihre Ernährungsgewohnheiten und Lebensweise (wieviel Zeit sie im Freien verbrachten, ob sie Gesichtscreme mit UV-Schutz verwendeten) befragt. Ihre Hautpigmentierung wurde mit digitaler Bildgebungstechnik ausgewertet.

    Es zeigte sich, dass die UV-induzierte Pigmentbildung durch die über die Nahrung aufgenommenen Polyphenole reduziert wurde. Dies war unabhängig vom Hauttyp. Kaffee, die wesentlichste Quelle für Polyphenole, zeigte sich als besonders effektiv, um die Bildung von Altersflecken zu reduzieren. Personen, die täglich etwa 400 mg Polyphenole über Kaffee (das entspricht 1.5 Tassen Kaffee) zu sich nahmen, haben signifikant weniger Pigmentflecken entwickelt. Grüner Tee hatte eine etwas schwächere Wirkung als Kaffee. Der molekulare Wirkmechanismus von Polyphenolen ist noch nicht ganz geklärt, die Forscher vermuten, dass der oxidative Stress in den Zellen reduziert wird.

    Die Wissenschaftler folgern aus diesen Ergebnissen, dass das Trinken von Kaffee oder grünem Tee die Entwicklung von UV-Licht bedingten ‚Altersflecken‘ unterdrücken kann. Diese unerwünschten Zeichen der Hautalterung können durch unsere Ernährungs-gewohnheiten, wie z. B. Kaffeetrinken, beeinflusst werden.

    Quelle:

    Fukushima Y. et al.: Consumption of Polyphenols in Coffee and Green Tea Alleviates Skin Photoaging in Healthy Japanese Women. Clinical, cosmetic and Investigational Dermatology 2020: 13 165-172.

  • Kaffeesatz-Leserei oder steckt noch was darin?

    Wir brühen Kaffee auf und es entsteht Kaffeesatz als Abfall. Ist er nicht zu schade dafür? Genau diese Frage stellten sich Wissenschaftler in Australien. Sie untersuchten die Wirkung von Kaffeesatz als Nahrungsergänzung bei Ratten, die durch experimentelle ‚ungesunde Ernährung‘ ein metabolisches Syndrom entwickelten.


    Das metabolische Syndrom ist eine Kombination verschiedener Risikofaktoren, wie Übergewicht mit zu viel Bauchfett, erhöhter Blutdruck, erhöhte Blutfett- und Blutzuckerwerte. Sie können im Laufe der Zeit zur Arterienverkalkung und dadurch zur Durchblutungsstörung an Herz, Gehirn und Niere führen. Als Folge kann Herzinfarkt oder Schlaganfall auftreten. Das Metabolische Syndrom ist ein zunehmendes Problem in den Industrienationen.

    Für ihre Untersuchung gaben die australischen Forscher männlichen Ratten 16 Wochen lang entweder stärkereiche oder kohlenhydrat- und fettreiche Nahrung. Jeweils die Hälfte der Ratten erhielt in den letzten 8 Wochen des Experiments zusätzlich 5% Kaffeesatz der Nahrung zugesetzt. Ratten, die sich kohlenhydrat- und fettreich ernährten, entwickelten ein metabolisches Syndrom. Sie setzten im Bauchraum Fett an, ihre Glukosetoleranz nahm ab, sie zeigten Herz-, Gefäß und Leberschäden. Diejenigen Ratten jedoch, die nach 8 Wochen zusätzlich Kaffeesatz bekommen hatten, zeigten verbesserte Herz- und Leberfunktionen. Auch Körpergewicht, Bauchfett, Gesamtkörperfettmasse, Blutdruck und Blutfettwerte wurden durch den Kaffeesatz verringert. Kaffeesatz als Nahrungsergänzung erhöhte bei den Ratten die Diversität der Darmmikroben und verringerte das Verhältnis von Firmicutes- zu Bacteroidetes-Stämme. Die Änderungen des Darm-Mikrobioms korrelierten mit weniger Fettleibigkeit, verbesserter Glukosetoleranz und Blutdruck.
    Dies ist ein wichtiges Ergebnis, da die Zusammensetzung des Darm-Mikrobioms auch beim Menschen einen Einfluss auf die Energieverwertung aus der Nahrung hat. Bei normalgewichtigen Menschen dominieren Bacteroidetes-Stämme das Mikrobiom, bei Adipösen hingegen Firmicutes-Stämme.

    Die Ergebnisse der australischen Forscher deuten darauf hin, dass Kaffeesatz zur Behandlung von Fettleibigkeit und metabolischem Syndrom nützlich sein könnte, da er die Zusammensetzung des Darm-Mikrobioms positiv verändert. So könnte das vermeintliche Abfallprodukt unseres täglichen Kaffees eine sinnvolle Verwendung finden.

    Literatur:

    Bhandarkar N. S. et al.: Modulation of gut microbiota by spent coffee grounds attenuates diet-induced metabolic syndrome in rats. The Faseb Journal 2020;00: 1-15.

    Theodor Dingermann und Ilse Zündorf: Mikrobiom, Dick durch falsche Darmflora, Pharmazeutische Zeitung, Ausgabe 20/2014.

  • Kaffee fördert das Wachstum von Probiotika

    Das Darm-Mikrobiom bilden Mikroorganismen, die unseren Darm besiedeln. Die bakterielle Zusammensetzung des Mikrobioms hat einen wichtigen Effekt auf unsere Gesundheit, und es ist durch Ernährung und andere Faktoren beeinflussbar.

    Ein Teil des Mikrobioms sind die sogenannten Probiotika, Bakterien, die eine besonders positive Wirkung auf die Gesundheit haben. Wichtige Probiotika sind z. B. Bifidobakterien, Laktobazillen und Hefen. Sie können mit der Nahrung aufgenommen werden, und so kann die Zusammensetzung des Mikrobioms durch die Ernährung positiv beeinflusst werden.

    Forscher aus Brasilien haben sich die Frage gestellt, ob das Wachstum probiotischer Bakterien, und somit deren Anteil am Mikrobiom, durch Kaffee positiv beeinflussbar ist. Es ist bekannt, das sogenannte Präbiotika das Wachstum von „guten“ Darm-Bakterien stimulieren können. Bekannte Präbiotika sind z. B. Ballaststoffe aber auch Polyphenole. Auch für Kaffee geben frühere Studien Hinweise auf eine potentielle präbiotische Wirkung.

    In der Studie der brasilianischen Forschergruppe wurden zum ersten Mal Effekte von Kaffee auf das Wachstum verschiedener probiotischer Bakterienstämme in der Zellkultur (also in vitro) getestet. Die Wissenschaftler haben Kaffee-Extrakte aus medium oder stark gerösteten Bohnen und entkoffeinierte Extrakte der Kaffee-Arten Coffea arabica und Coffea canephora, sowie verschiedene bioaktive Kaffee-Inhaltstoffe für ihren Test verwendet. Zunächst bestimmten sie die Menge der bioaktiven Substanzen wie Chlorogensäure, Polysaccharide, Koffein und Trigonellin in den Kaffee-Extrakten und fanden, dass diese in der Medium-Röstung höher war. Der Gehalt an Koffein war vom Grad der Röstung unbeeinflusst, da Koffein hitzestabil ist. Danach wurden verschiedene probiotische Bakterienstämme, wie Lactobacillus und Bifidobacterium animalis unter Zugabe von Kaffee-Extrakten oder von bioaktiven Kaffee-Inhaltsstoffen in der Zellkultur vermehrt.

    Die Extrakte aus beiden verwendeten Kaffee-Arten förderten das Wachstum probiotischer Bakterien, und zwar dosisabhängig. Die Extrakte der Medium Röstung zeigten einen stärkeren Effekt und die von entkoffeinierten Kaffee einen leicht schwächeren Effekt. Für die wachstumsfördernde Wirkung waren hauptsächlich Chlorogensäuren und Polysaccharide verantwortlich.

    Diese Resultate zeigen, dass Kaffee das Wachstum probiotischer Bakterien selektiv fördern kann, Röstung und Entkoffeinierung diesen Effekt beeinflussen und verschiedene Bakterienstämme unterschiedliche Kaffee-Inhaltstoffe für ihr Wachstum verwenden können.

    Quelle:

    Sales A. L. et al.: Effects of regular and decaffeinated roasted coffee (Coffea arabica and Coffea canephora) extracts and bioactive compounds on in vitro probiotic bacterial growth. Food & Function, 2020, Advance Article.

  • Kaffee-Alkaloid hemmt allergische Reaktion

    Japanische und indonesische Forscher haben herausgefunden, dass ein im Kaffee enthaltenes Alkaloid, Trigonellin, die übertriebene Reaktion von Mastzellen auf Fremdstoffe, wie es bei allergischen Reaktionen passiert, unterdrücken kann.

    Trigonellin ist nicht nur eine der geschmacksbildenden Substanzen im Kaffee, es kann bei der Röstung von Kaffeebohnen in Niacin (Vitamin B3) verwandelt werden. Kaffee ist eine wichtige Quelle für dieses Vitamin, das eine wesentliche Rolle bei vielen enzymatischen Reaktionen in den Körperzellen spielt. In früheren Studien wurden auch antibakterielle, antikarzinogene und anti-hyperglykämische Wirkungen von Trigonellin untersucht.

    In ihrer Arbeit untersuchten die Forscher zum ersten Mal die Wirkung von Trigonellin auf die Degranulation von Mastzellen, was ein entscheidender Prozess bei einer schnellen hypersensitiven allergischen Reaktion ist.

    Mastzellen sind Zellen des Immunsystems und patroullieren dort, wo etwas Fremdes in den Körper gelangen kann z. B. in den Atemwegen, Darmschleimhaut, Haut. Ihren Namen verdanken sie ihrem Aussehen, unter dem Mikroskop erscheinen sie „gefüllt“ - gemästet - mit Körnchen. Diese enthalten wichtige Botenstoffe wie z. B. Histamin.  Trifft die Mastzelle auf einen Parasiten, einen Fremdstoff oder ein Allergen, werden die Botenstoffe freigesetzt, diesen Vorgang nennt man Degranulation (von Granum, Korn). Auf die ausgeschütteten Botenstoffe reagiert das umgebende Gewebe z. B. mit Schleimbildung, um sich gegen die Eindringlinge zu wehren. Bei allergischen Reaktionen von Typ I, dazu gehören z. B. allergische Rhinitis, Lebensmittel-Allergien, Bronchialasthma, reagieren die Mastzellen übertrieben auf Fremdstoffe und das führt zu den bekannten Krankheitssymptomen.

    Die Forscher haben in vitro in Ratten-Zellkultur und auch in vivo mit Mäusen Experimente durchgeführt. Sie haben die Zellen der Kultur bzw. die Haut der Maus mit Antigenen stimuliert, um eine Immunreaktion auszulösen. Sie konnten zeigen, dass die Antigen-induzierte Degranulation der Zellkulturzellen und auch die allergische Hautreaktion der Maus durch Zugabe von Trigonellin dosisabhängig unterdrückt werden kann.

    Diese Ergebnisse können die Basis für weitere Forschung bilden um Trigonellin-reiche Produkte mit anti-allergischen Effekten sowie Medikamente zu entwickeln.

    Quelle:

    Arita Dewie Nugrahini et al.: Trigonelline: An alkaliod with anti-degranulation properties. Molecular Immunology 118 (2020) 201-209.    

  • Zusammen sind sie stärker: Kaffeeinhaltsstoffe gegen Prostatakrebs

    Frühere Studien hatten gezeigt, dass Kaffee das Fortschreiten von Prostatakrebs hemmt. Die zugrunde liegenden Prozesse sind nicht bekannt. Japanische Forscher führten daher Laborversuche mit dem Ziel durch, mögliche Schlüsselkomponenten zu identifizieren, die für die mögliche krebshemmende Wirkung des Heißgetränks verantwortlich sein könnten.


    Für ihre Studie nutzten sie humane Prostatakrebs-Zelllinien, die mit sechs verschiedenen Kaffeekomponenten „behandelt“ wurden: mit den beiden Diterpenen Kahweol und Kafestol, mit Koffein, Kaffeesäure, Chlorogensäure und Trigonellin. Ihre Wirkung wurde aufgrund verschiedener Messparameter bestimmt, u. a. solche, die typisch für Prozesse des sogenannten programmierten Zelltods (Apoptose) und Proliferation, also das Wachstum von Krebszellen sind. Außerdem führten die Forscher ähnliche Experimente an Mäusen durch.

    Im Ergebnis zeigte sich: Nur Kahweol und Kafestol hemmten die Wucherung und Migration der Prostatakrebszellen, und zwar abhängig von der Dosis. Die Diterpene wirkten im Versuch auch synergistisch. Wurden die beiden Stoffe oral an Mäuse mit Prostatakrebs verabreicht, so hemmten sie auch im Tier signifikant das Krebswachstum.

    Quelle:

    Hiroaki Iwamoto et al.: Coffee diterpenes kahweol acetate and cafestol synergistically inhibit the proliferation and migration of prostate cancer cells; The Prostate. 2019;79:468–479

  • Gesund im Mund Dank Kaffee

    Kaffee zeigte in früheren Studien eine schützende Wirkung in Bezug auf Parodontitis. Forscher aus Taiwan wollten in einem Laborexperiment herausfinden, ob der Einsatz von Kaffeextrakt oder von Chlorogensäure aus einem Kaffeeextrakt eine Auswirkung auf das Wachstum von Porphyromonas gingivalis (P. gingivalis) hat.

    Zur Erklärung: P. gingivalis gehört zu den Bakterien, die eine Parodontitis auslösen können. Die Chlorogensäure ist ein Polyphenol, das in größeren Mengen in dem Heißgetränk vorkommt. Polyphenolen wird eine antioxidative und damit entzündungshemmende Wirkung zugeschrieben.

    Es zeigte sich, dass Chlorogensäure das Bakterienwachstum hemmte und ab einer gewissen Konzentration P. gingivalis sogar abtöten konnte. Auch der Kaffeeextrakt zeigte eine antibakterielle Wirkung.

    Diese Studie werfe ein neues Licht auf die positive Rolle von Chlorogensäuren und vielleicht auch Kaffee bei Parodontitis-Erkrankungen durch P. gingivalis-Infektionen, meinen die Forscher in ihrem Resümee.

    Quelle:

    Sing-Hua Tsou et. al: Potential Oral Health Care Agent from Coffee Against Virulence Factor of Periodontitis; Nutrients 2019, 11, 2235; doi:10.3390/nu11092235

  • Einfluss von Kaffee auf verschiedene Biomarker

    Ob verbesserte Leberwerte, ein geringeres Risiko für Schlaganfall oder Diabetes – Kaffee wirkt sich auf positiv auf die Gesundheit aus. Das sagen epidemiologische Studien. Bisher weiß man allerdings nur wenig darüber, welche zugrunde liegende biologische Pfade dabei beeinflusst werden.


    In der hier vorgestellten Studie untersuchten Wissenschaftler daher den Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum und der Konzentration 14 verschiedener Schlüssel-Biomarker, die bei unterschiedlichen Stoffwechsel- und Entzündungs­vorgängen eine Rolle spielen. 

    Die Daten wurden aus zwei Studien mit insgesamt mehr als 22.000 Teilnehmern gewonnen, die vor der Blutabnahme detaillierte Angaben zu ihren Ernährungs­gewohnheiten gemacht hatten.

    Kaffeetrinker zeigten bei einem Konsum von mindestens 4 Tassen am Tag im Vergleich zu „Abstinenzlern“ eine geringere Konzentration u. a. am C-reaktiven Protein (sog. Akute-Phase-Protein, steigt normalerweise im Rahmen von entzündlichen Prozessen an) und am C-Peptid (wird bei der Aktivierung von Insulin vom Proinsulin abgespalten).

    Höher als bei den „Kaffeeverächtern“ war bei ihnen hingegen der Spiegel an Adiponektin, einem Gewebshormon, das die Wirkung des Insulins an den Fettzellen moduliert. Ein niedriger Spiegel von Adiponektin erhöht im Zusammenspiel mit genetischen Faktoren das Risiko für Diabetes.

    Insgesamt, so die Wissenschaftler, zeigten die Ergebnisse, dass Kaffee eine günstige Wirkung auf die gemessenen Biomarker habe. Koffein scheint dabei keine Rolle zu spielen, denn die positiven Effekte zeigten sich auch bei koffeinfreiem Kaffee.

    Quelle:

    Dong Hang et al.: Coffee consumption and plasma biomarkers of metabolic and inflammatory pathways in US health professionals; Am J Clin Nutr 2019;108:1–13.

  • Kaffee und Parkinson

    Die Parkinson-Krankheit ist eine häufige neurodegenerative Erkrankung, an deren Pathogenese sowohl die individuelle genetische Ausstattung als auch diverse Umweltfaktoren beteiligt sind.


    Auch andere Einflussfaktoren kommen in Frage, und so wurde in früheren Studien über einen möglichen Einfluss von Stress, mitochondrialer Dysfunktion, Homocystein und Neuroinflammation, also der Entzündung von Nervengewebe, berichtet. Am häufigsten jedoch wurde in diesem Zusammenhang die Ernährung untersucht. Da Ess- und Trinkgewohnheiten recht einfach modifizierbar sind, ist dies ein interessanter Punkt für mögliche präventive Ansätze.

    Ein Team libanesischer Forscherinnen begutachtete daher die dazu zur Verfügung stehende Literatur der vergangenen 20 Jahre. In das Review flossen prospektive Studien, Fall-Kontroll-Studien und Metaanalysen ein.

    Unter den Ernährungsfaktoren fokussierten sich die Forscherinnen auf bestimmte Nährstoffe und Nahrungsmittel-Gruppen. Hinzugezogen wurden zudem Studien, die einen möglichen Einfluss des Mikrobioms untersucht hatten.

    Aufgrund des Einflusses der genetischen Ausstattung und aufgrund möglicher geschlechtsspezifischer Unterschiede sei es nicht leicht, klare Zusammenhänge zwischen der Ernährung und dem Krankheitsgeschehen zu finden, schreiben die Forscherinnen.

    Dennoch zeigten sich einige Tendenzen: Potenzielle schützende Wirkungen fanden sich in Bezug auf mehrfach ungesättigte Fettsäuren, Kaffee und Tee – dies allerdings vor allem bei Männern. Grundsätzlich tritt die Parkinson-Krankheit deutlich häufiger bei Männern auf, das ist bekannt. Weitere Forschungen müssen nun zeigen, worauf die Geschlechterunterschiede beruhen bzw. welche Mechanismen zugrunde liegen könnten.

    Quelle:

    Christa Boulos et al.: Nutritional Risk Factors, Microbiota and Parkinson’s Disease: What Is the Current Evidence? Nutrients 2019, 11, 1896; doi:10.3390/nu11081896

  • Kaffeekonsum und Fettleibigkeit – profitieren Männer von dem Heißgetränk?

    Könnte es sein, dass sich der Konsum von Kaffee positiv auf das Körpergewicht auswirkt? Es liegen bereits viele Studien über die Beziehung zwischen dem Genuss von Kaffee und dem Auftreten von Fettleibigkeit vor.


    Die Ergebnisse sind allerdings nicht konstant. Daher war eine Metaanalyse der Daten wichtig. Genau das hat nun ein amerikanisch-koreanisches Forscherteam gemacht.

    In ihre Analyse flossen die Daten aus 12 epidemiologischen Studien ein, in denen neben Ernährungsgewohnheiten auch eine mögliche Fettleibigkeit abgefragt wurde,  entweder anhand des Body-Mass-Index‘ (BMI) oder des Taillenumfangs.

    Im Ergebnis zeigte sich zwischen den Gruppen mit dem höchsten und dem niedrigsten Kaffeekonsum ein Unterschied in Bezug auf den BMI und auf den Taillenumfang. Dieser Unterschied wurde durch eine Subgruppenanalyse nach Geschlecht nochmals präzisiert. Das Resultat: Ein hoher Kaffeekonsum ist geringfügig mit einer reduzierten Fettleibigkeit assoziiert – allerdings vor allem bei Männern.

    Quelle:

    Ariel Lee, Woobin Lim et al.: Coffee Intake and Obesity: A Meta-Analysis; Nutrients 2019, 11, 1274; doi:10.3390/nu11061274

  • Schützt Kaffeekonsum vor Mundhöhlenkrebs?

    In einer Metaanalyse untersuchten chinesische Forscher den Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum und dem Risiko für Mundhöhlenkrebs.

    Vierzehn Fall-Kontroll- und fünf Kohortenstudien, die bis September 2018 erschienen waren, wurden in die Analyse einbezogen. Darunter befanden sich die Daten von fast 6.500 Patienten mit Mundhöhlenkrebs.

    Die Berechnungen zeigten, dass ein hoher Kaffeekonsum im Vergleich zu einem niedrigen Konsum mit einem reduzierten Risiko für Mundhöhlenkrebs verbunden war (Odds Ratio 0,68). Ein ähnlicher Effekt zeigte sich auch bei mittlerem Kaffeekonsum, allerdings nur in den Fall-Kontroll-Studien.

    Die Odds Ratio, kurz OR, oder das Quotenverhältnis ist eine Messzahl aus der Statistik, die etwas über die Stärke eines Zusammenhangs von zwei Merkmalen aussagt. Ein Wert kleiner als 1 bedeutet, dass das Risiko der ersten Gruppe (hier: der Gruppe mit hohem Kaffeekonsum) kleiner ist als bei der zweiten Gruppe (hier: die Gruppe mit geringem Kaffeekonsum).

    Ein hoher oder mittlerer Kaffeekonsum könnte also Mundhöhlenkrebs vorbeugen, schlussfolgern die Wissenschaftler. Warum das so sein könnte, liege aber noch im Dunkeln und sollte untersucht werden.

    In Deutschland erkranken jährlich etwa 10.000 Menschen neu an Mundhöhlenkrebs, davon sind etwa 7.500 Männer und etwa 2.500 Frauen. Am häufigsten tritt die Erkrankung zwischen 50 und 75 Jahren auf, doch auch jüngere Menschen sind zunehmend betroffen. Alkohol- und Nikotinmissbrauch zählen zu den wichtigsten Risikofaktoren von Mundhöhlenkrebs. Bei chronischem Tabak- oder Alkoholmissbrauch ist ein bis zu 6-fach, bei Kombination beider Risikofaktoren ein bis zu 30-fach erhöhtes Erkrankungsrisiko vorhanden. Je früher Mundhöhlenkrebs erkannt und behandelt wird, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit für eine Heilung.

    Quelle:

    Tao Hea, Xiangyu Guoa, Xue Lia, Chunjuan Liaoa and Wei Yina: Association between coffee intake and the risk of oral cavity cancer: a meta-analysis of observational studies; European Journal of Cancer Prevention 2019, DOI: 10.1097/CEJ.0000000000000515

  • Tun Sie Ihrer Leber etwas Gutes – jeden Tag!

    Mit dem Motto „Jeder Tag ist Leber-Tag“ rufen die Ausrichter des Deutschen Lebertages am 20. November 2019 dazu auf, bewusst an jedem Tag auf die Lebergesundheit zu achten. Mit gesunder Ernährung, mehr Bewegung im Alltag, dem Verzicht auf Alkohol und Nikotin und mit Hilfe von Vorsorgeuntersuchungen kann jeder das Risiko für Krankheiten wie Fettleber oder Leberzellkrebs reduzieren.

    Gesunder Genuss: Kaffee

    Doch wussten Sie, dass Sie Ihrer Leber mit einem ganz alltäglichen genüsslichen Ritual Gutes tun können – mit dem Genuss von Kaffee? Studien belegen, dass die durch den Kaffee angestoßenen Stoffwechselvorgänge die Lebergesundheit fördern. So fanden Wissenschaftler heraus, dass der Konsum des beliebten Getränks die Leberwerte verbessert, einen krankhaften Umbau des Lebergewebes (Fibrose) hemmt und das Risiko für Leberkrebs senkt. Die positiven Effekte zeigen sich ab einer Menge von mindestens zwei Tassen Kaffee, wie eine Übersichtsarbeit offenbarte. Kein Wunder also: Während man Patienten mit Lebererkrankungen früher zum Verzicht von Kaffee aufforderte, rät man heute eher das Gegenteil.

    Die Leber erfüllt zahlreiche lebensnotwendige Aufgaben. Sie ist das zentrale Stoffwechselorgan in unserem Körper. Trotzdem genießt die Leber häufig keine große Aufmerksamkeit – anders als Herz oder Lunge, deren Bedeutung sich die meisten Menschen bewusst sind. Dass sollte sich ändern!

    Mehr Informationen zum Deutschen Lebertag, ausgerichtet von der Deutschen Leberstiftung, der Gastro-Liga e. V. und der Deutschen Leberhilfe e. V. unter www.lebertag.org

    Quellen:

    1. Erikka Loftfield et. al. Prospective investigation of serum metabolites, coffee drinking, liver cancer incidence, and liver disease mortality; J Natl Cancer Inst. 2019 Jun 5. pii: djz122. doi: 10.1093/jnci/djz122.
    2. Franco Contaldo, Lidia Santarpia, and Fabrizio Pasanisi: Chronic inflammatory liver diseases and coffee intake; Curr Opin Clin Nutr Metab Care. 2019 Sep;22(5):389-392. doi: 10.1097/MCO.0000000000000586.
    3. Guilherme Ribeiro Romualdo et al: Drinking for protection? Epidemiological and experimental evidence on the beneficial effects of coffee or major coffee compounds against gastrointestinal and liver carcinogenesis; Food Research International 123 (2019) 567-589
  • Kein Einfluss von Kaffee auf das Risiko von Karzinome der Harnwege

    Kaffeeliebhaber müssen Karzinome der Harnwege nicht mehr fürchten als andere Menschen auch. Das bekräftigen zwei Studien, die in diesem Jahr zu dem Thema erschienen sind.

    In älteren Fall-Kontrollstudien wurde ein schwacher Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum und Blasenkrebs festgestellt. Wenn erwiesene Risikofaktoren, allen voran das Rauchen, in die Analyse einbezogen wurden, schwächte sich der Zusammenhang aber ab.

    Genau das wollten chinesische Forscher nun noch einmal mit einer im September 2019 erschienen Metaanalyse beleuchten (1). Die Ergebnisse aus 16 prospektiven Studien mit mehr als 2 Millionen Teilnehmern flossen in die Berechnungen ein. Im Beobachtungszeitraum traten 11.848 Fälle von Blasenkrebs auf. Ein Zusammenhang zum Kaffeekonsum zeigte sich nicht , wenn der Einfluss des Risikofaktors Rauchen berücksichtigt wurde.

    In die gleiche Richtung weist eine amerikanische Studie, die den Zusammenhang zwischen Kaffee - und Teetrinken und dem Risiko für Harnwegskrebs unter die Lupe nahm (2). Untersucht wurden finnische Männer mit hohem Kaffeekonsum. Es zeigte sich kein Zusammenhang zwischen dem Genuss des Heißgetränks und dem Risiko für Blasen- oder Nierenzellkarzinom

    Quellen:

    1. Zhi-Wei Dai et al.: Association between coffee consumption and risk of bladder cancer in a metaanalysis of 16 prospective studies; Nutrition & Metabolism 9/2019 16:66 https://doi.org/10.1186/s12986-019-0390-3
    2. Maryam Hashemian et al.: Coffee and tea drinking and risk of cancer of the urinary tract in male smokers; Annals of Epidemiology, Volume 34, 6/2019, 33-39

  • Hörfunkbeitrag zum Tag des Kaffees 2019

    Am 01. Oktober fand der „Tag des Kaffees“ statt. Verbraucher konnten bundesweit bei zahlreichen Aktionen die Vielfalt des Kaffees entdecken und einen Blick hinter die Kulissen der Kaffeewelt werfen.

    Auch in den Medien war das Thema natürlich präsent. Für den Hörfunk hatten wir daher einen Expertenbeitrag vorbereitet. Zu Wort kommt darin Prof. Jürgen Vormann vom IPEV (Institut für Prävention und Ernährung), Wissenschaftlicher Beirat der Sektion Kaffee & Gesundheit im Deutschen Grünen Kreuz e. V.

    Hörfunkbeitrag anhören


    Hätten Sie’s gewusst?

    • Rund 164 Liter Kaffee werden in Deutschland jährlich pro Kopf getrunken. Damit ist Kaffee das meistkonsumierte Getränk, noch vor Heil- und Mineralwasser und Bier.

    • Am häufigsten wird Kaffee zu Hause genossen (73,3 Prozent).

    • Filterkaffee steht dabei weiterhin hoch im Kurs, in 54 Prozent der Haushalte ist eine Filterkaffee-Maschine vertreten.

    • Kaum ein Lebensmittel ist so gut erforscht, wie das beliebte Heißgetränk. Die Forschungsergebnisse konnten mit vielen Vorurteilen aufräumen und darüber hinaus zeigen, dass Kaffee durchaus zu einer gesunden Ernährung beitragen kann.

  • Schlafstörungen: Nicht Kaffee raubt den Schlaf

    Kaffee gilt als der Muntermacher schlechthin. Perfekt für den Start in den Tag, aber schlecht für den Schlaf – könnte man denken. Ganz so einfach ist es nicht.

    Schlafstörungen sind weit verbreitet, schätzungsweise jeder dritte Deutsche leidet daran. Viele Betroffene verzichten darum bereits am Nachmittag vorsorglich auf Kaffee. Doch das ist oftmals gar nicht nötig, wie Forscherinnen der Florida Atlantic University / USA nun herausgefunden haben.

    Sie untersuchten die Auswirkungen nicht nur des Kaffeekonsums auf den Schlaf von fast 800 Probanden, sondern auch, welche Wirkung Alkohol und Nikotin hatten.

    Das Ergebnis ist eine gute Nachricht für Kaffeejunkies: Wenn zwischen dem Zubettgehen und der letzten Tasse Kaffee mindestens vier Stunden lagen, ließ sich kein negativer Effekt auf den nächtlichen Schlummer nachweisen. Als wahre Übeltäter hingegen erwiesen sich Alkohol und Nikotin.

    Wer vor dem Zubettgehen rauchte oder Alkohol trank, lag nachts länger wach. Je zeitnaher zur Bettruhe dies geschah, desto größer war die Wahrscheinlichkeit für nachfolgende Schlafprobleme.

    Allerdings – das ist eine kleine Einschränkung – sind individuelle Unterschiede hinsichtlich Sensibilität für Koffein nicht gemessen worden. Diese Faktoren könnten aber eine wichtige Rolle für den Zusammenhang von Schlaf und Koffein spielen, so die Forscherinnen. Bekanntermaßen liegt die Sensibilität für Koffein in den Genen und ist außerdem abhängig davon, ob der Muntermacher regelmäßig genossen wird.

    Daher der Rat: Wer weiß, dass er in Bezug auf Schlaf sensibel auf Koffein reagiert oder wer nicht gewohnheitsmäßig Kaffee trinkt, sollte seine Erfahrungen beachten, und nicht allzu spät Kaffee trinken. Alle anderen aber können ihren Kaffee auch später noch ohne Sorge um den Schlummer genießen.

    Quelle:

    Christine E Spadola et. al.: Evening intake of alcohol, caffeine, and nicotine: night-to-night associations with sleep duration and continuity among African Americans in the Jackson Heart Sleep Study. Sleep, 2019; DOI: 10.1093/sleep/zsz136